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Fikri Anıl Altıntaş

Im Morgen wächst ein Birnbaum

Hardcover
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„Ich bin mehr als die Projektion der anderen.“

Fikri Anıl Altıntaş wächst als Sohn türkischer Eltern in einer hessischen Kleinstadt auf. Sein Vater arbeitet als Türkischlehrer, seine Mutter als Reinigungskraft. Es ist eine Kindheit inmitten von Sozialwohnblocks, geprägt von dem drängenden Wunsch, »deutsch« zu sein und der bitteren Enttäuschung über die Realität in Deutschland. Beständig wächst die Sehnsucht, gesehen zu werden und einen eigenen Weg als türkisch-muslimischer Mann zu finden. Dabei ist es vor allem die Beziehung zu seinem Vater, die ihn letztlich vor die Frage stellt: Was bedeutet Männlichkeit überhaupt und wie kann sie jenseits der Klischees verstanden und gelebt werden?

Inmitten von festgefahrenen Narrativen sucht Fikri Anıl Altıntaş nach den Zwischentönen. Radikal ehrlich blickt er auf sich und seine Familiengeschichte zurück, um die Gegenwart besser zu verstehen.

»Der ganze Roman ist eine sehr zärtliche Annäherung an den Vater […] Ein ehrlicher Roman über Männlichkeiten jenseits des Klischees!«

Miriam Zeh, Deutschlandfunk Kultur "Lesart" (04. May 2023)

ORIGINALAUSGABE
Hardcover, Pappband, 176 Seiten, 12,5 x 20,0 cm
ISBN: 978-3-442-75964-4
Erschienen am  20. April 2023
Lieferstatus: Dieser Titel ist lieferbar.

Rezensionen

Eine zarte Betrachtung vorgelebter Männlichkeit

Von: annenas.books

14.01.2024

In seinem Debüt „Im Morgen wächst ein Birnbaum“ reflektiert Fikri Anıl Altıntaş seine Familiengeschichte, das Heranwachsen als türkisch-muslimischer Mann in einem von Rassismus durchzogenen Deutschland und die elterlichen Erwartungen. Im Zentrum steht dabei die feinfühlige und einfühlsame Auseinandersetzung mit der Männlichkeit.   Als Sohn türkischer Eltern – seine Mutter ist Reinigungskraft, sein Vater Türkischlehrer – wächst Fikri Anıl Altıntaş in den 90ern im Sozialwohnblock einer hessischen Kleinstadt auf. In jungen Jahren sieht er in seinem Vater ein Vorbild für Männlichkeit, dem er bewusst oder unbewusst nacheifert. Doch mit Abstand und Reife wird ihm die Last auf seinen Schultern immer deutlicher bewusst und er erkennt, dass das väterliche Bild von Männlichkeit nicht zu ihm passt. Die Geschichte und Erwartungen seiner Eltern entsprechen nicht seinen eigenen, und daher gestaltet er schließlich ein neues Verständnis dafür, was Männlichkeit für ihn bedeutet.   Während ich Anıls Worten gelauscht habe, hat mich die einfühlsame Sprache tief berührt. Im Buch und auch auf der Lesung in Heidelberg, an der ich teilnehmen durfte, begegnete er seinen Eltern mit Liebe, Respekt und Achtung. Es war so schön zu erleben, wie viel Verständnis und Dankbarkeit Anıl seinen Eltern gegenüber zeigt und gleichzeitig weiß, Dinge jetzt und zukünftig anders handzuhaben und seine eigene Geschichte eigenständig fortzuschreiben.

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Fikri Anil Altintas hat mich berührt

Von: MarieOn

21.12.2023

Wenn Anil in den Ferien mit seinen Eltern in der Türkei ist, betrachtet er den Birnbaum, den sein Vater damals gepflanzt hat, um Anil daran zu erinnern: wer er ist, wohin er gehört und wohin er wachsen soll. Sein Vater floh 1980, nach dem Militärputsch nach Deutschland. Seine älteste Tochter ließ er zurück. Er fand bald ein Anstellung als Türkischlehrer. Abends spielte er auf der Saz, sang die Lieder über Liebe, Sehnsucht und Freiheit und weinte dabei. Er fand keine Wohnung für seine kleine Familie. Sobald die Leute sahen, dass sie nicht von hier waren, schlugen sie ihm die Türe vor der Nase zu, also blieben sie zuerst einmal im Plattenbau. In den Sommermonaten waren sie am liebsten in ihrem Schrebergarten in Wetzlar, doch nach einigen Einbrüchen, hatte jemand Hakenkreuze an die Türen gesprüht. Statt sich zu wehren schwiegen sie laut, die Angst war größer, als das Bedürfnis nach Gerechtigkeit. Anil verkauft in der Schule, für 70 Cent das Stück, die Lamacun, die seine Mutter buk. Sein Vater sagt ihm streng, er bekäme ab morgen Geld, um sich am Kiosk etwas kaufen zu können, er solle nichts mehr verkaufen, die Lehrer hätten ihn gesehen. Für mich war es ein unbedeutsamer Versuch, ein bisschen Taschengeld zu verdienen. Für ihn war es das bittere Eingeständnis, seinem Sohn und dessen Wünschen nicht gerecht zu werden. S. 60 Während Anil heranwächst, versucht er seinen Vater zu verkörpern. Er versteckt seine Tränen, wie sein Vater, spricht nicht über Dinge, die ihm unangenehm sind, wie er. Erst als er seinen eigenen Weg geht und sich Hilfe sucht, um seine tiefe Traurigkeit zu überwinden, spürt er das Gewicht, der elterlichen Erwartungen. Doch er ist nicht bereit zu heiraten, Familie zu gründen, ein Haus in Deutschland, und eins in der Türkei zu bauen. Fazit: Fikri Anil Altinas hat mich berührt. Er hat mir einen Blick auf seine Türkischen Wurzeln gewährt, mir etwas über seine Kultur erzählt. Ich mag die Idee, dass Männer ihre Vorstellung des Männlichseins hinterfragen, sehr. Die Welt wäre ein friedvollerer Ort, würden das mehr praktizieren. Er hat mir verständlich machen können, wie schwierig es ist, seine Heimat verlassen zu müssen und sich einem völlig anderen Kulturkreis anzupassen. Die Zerrissenheit und Einsamkeit, die diese Entwurzelung mit sich bringt sitzt tief und wird an die nächsten Generationen weitergegeben. Die Liebe zu den Eltern und Achtung vor dem Alter berührt mich ebensosehr, weil es etwas ist, das in meinem Land verloren gegangen ist. Ich mag den Schreibstil, der zu Anfang mit ganz einfachen Sätzen daher kommt, und ab Mitte des Buches so wundervoll eigen und blumig wird. Es geht darum, sich jeden Moment zu fragen, ob wir uns in der Unschärfe finden können, oder ob wir ihr entfliehen und loslassen wollen, um uns von dem Gewicht, nie fertig erzählt zu sein, zu befreien. S. 138

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Vita

Fikri Anıl Altıntaş, geboren 1992 in Wetzlar, studierte Politikwissenschaften, Ethnologie und Osteuropastudien in Tübingen, Istanbul und Berlin und arbeitet als politischer Bildner und freier Autor. Er schreibt unter anderem für der Freitag, taz und pinkstinks. de. In seinen Texten, Vorträgen und Workshops, u.a. für den Gropius Bau und das ZDF, beschäftigt er sich mit Männlichkeit und Rollenbildern, Privilegien und der (De)-Konstruktion von nicht-weißen, muslimisch gelesenen Männlichkeiten in Deutschland. Auf Instagram schreibt er unter @_faanil über Rollenbilder und bricht mit Sehgewohnheiten und ist ehrenamtlich als #HeForShe Deutschland Botschafter von UN Women Deutschland aktiv.

Zum Autor

Events

05. Apr. 2024

Lesung aus "Im Morgen wächst ein Birmbaum"

20:00 Uhr | Hannover | Lesungen
Fikri Anıl Altıntaş
Im Morgen wächst ein Birnbaum

12. Apr. 2024

Lesung aus "Im Morgen wächst ein Birmbaum"

Oberhausen | Lesungen
Fikri Anıl Altıntaş
Im Morgen wächst ein Birnbaum

19. Apr. 2024

Lesung aus "Im Morgen wächst ein Birmbaum"

19:00 Uhr | Salzgitter | Lesungen
Fikri Anıl Altıntaş
Im Morgen wächst ein Birnbaum

Pressestimmen

»Das Buch "Im Morgen wächst ein Birnbaum" zeigt Verletzungen, Sehnsüchte, Traumata, Einsamkeit und zugleich eine große Liebe. Der Blick in dieses Leben: tief berührend und sensibel. Eine Geschichte, die mit dem Schweigen bricht und die deshalb gelesen werden sollte.«

Dilek Üşük, ZDFinfo Forum am Freitag (21. April 2023)

»In einer einfachen, klaren Sprache gibt Altıntaş ehrliche Einblicke ins Leben einer deutsch-türkischen muslimischen Familie. […] Nicht die typische Geschichte von Zerrissenheit und Heimatlosigkeit, sondern von einem beeindruckenden Weg und von einer neuen Identität. Sehr sympathisch.«

Günter Keil, Long Story Short Podcaast (02. May 2023)

»Mit der sehr persönlichen und schonungslos offenen Analyse seiner eigenen Männlichkeit in seinem Romandebüt hofft Fikri Anιl Altɩntaș dazu beizutragen, dass Männer verstehen.«

Roswitha Buchner, BR24 „Das interkulturelle Magazin“ (30. April 2023)

»In seinem Debütroman ›Im Morgen wächst ein Birnbaum‹ baut Altıntaş Vorurteile gegenüber migrantischer Männlichkeit ab.«

Mandana Bareh Foroush, HR „hauptsache kultur“ (23. March 2023)

»Poetisch und eindringlich.«

Barbara Kadletz, Buchkultur (16. June 2023)

»Ein poetischer Spaziergang.«

hr2-kultur "Am Nachmittag" (21. September 2023)

»Ein poetischer Roman mit Nachklang.«

Berliner Morgenpost (06. November 2023)