Auf den Spuren der Lagerfelds ...

Hamburg 1902: Der junge Otto Lagerfeld bricht nach Südamerika auf, um dort als Kaufmann sein Glück zu suchen. Als er seine Familie in Hamburg besucht, trifft er die Schwester seines besten Freundes wieder. Otto ist von Theresia bezaubert, dennoch reist er weiter nach Wladiwostok, um dort amerikanische Dosenmilch zu verkaufen. Gerade als sein neugegründetes Unternehmen zu florieren beginnt, bricht der Krieg aus. Otto gerät in sibirische Gefangenschaft – den vierblättrigen Klee, den Theresia ihm als Glücksbringer schickte, trägt er bei sich. Er weiß, er muss fliehen, um seine Familie wiederzusehen. Und um seinen großen Traum zu verwirklichen …

Paperback, Klappenbroschur, 416 Seiten, 13,5 x 20,6 cm
ISBN: 978-3-442-20632-2

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Lies rein und überzeuge dich selbst:

HAMBURG
April 1897

An jenem Freitag im April war der Wind eisig gewesen. Nichts erinnerte mehr an die sommerlichen Temperaturen, die noch vor wenigen Tagen die Menschen ins Freie und an die Elbufer gezogen hatten, wo die Bootsverleiher ihre Kähne zu Wasser ließen. Der Morgen hatte mit heftigem Regen begonnen, der erst gegen Mittag abebbte und tiefe Pfützen hinterließ, die nun in der Frühlingssonne glitzerten.
Wie jeden Nachmittag hatte Otto seine beiden Schwestern Maria und Ottilie, die alle nur Mimi und Tilla nannten, an der Volksschule beim Tor für die Mädchen abgeholt. Jetzt standen sie vor dem gegenüberliegenden Eingang der Realschule Seilerstraße und warteten auf Paul, der sich wie so oft verspätete.
Eine Wolke schob sich vor die Sonne und das Glitzern der Pfützen erlosch. Fröstelnd schlug Otto den Kragen hoch und blinzelte in das trübe Grau des Himmels. Es gab nur einen Grund, warum sein Bruder, der es sonst nicht abwarten konnte, das Schulgebäude zu verlassen, noch immer nicht aufgetaucht war: Er musste wieder einmal nachsitzen.
Ausgerechnet heute, wo ihre Eltern die Feigls erwarteten, die in der Großen Bäckerstraße ein Traditionsgeschäft für Bettfedern und Daunen besaßen. Warum dieser Besuch dem Vater so wichtig war, hatte er nicht erzählt, aber es war offensichtlich, dass er für ihn eine gewisse Bedeutung besaß. Am Morgen hatte der Vater seinen besten Anzug angezogen und in der sich spiegelnden Scheibe der Altona-Blankeneser Eisenbahn den Sitz seines Kragens kontrolliert, obwohl noch der ganze Arbeitstag vor ihm lag. Und als sich ihre Wege am Altonaer Bahnhof trennten, hatte er seine Kinder ermahnt, nach der Schule nicht zu trödeln und zeitig nach Hause zu kommen.
»Wenn ich um halb sechs mit den Gästen eintreffe, will ich, dass ihr einen guten Eindruck macht.«
Einen guten Eindruck zu machen hieß: Alle acht Abkömmlinge sollten frisch gekämmt und in ordentlicher Kleidung antreten, aufgereiht wie die Orgelpfeifen und dem Alter folgend, damit Tönnies Johann Otto Lagerfeld sie nacheinander seinen Gästen vorstellen konnte. (…)
Als die Tür des Schulgebäudes aufschwang und Paul endlich heraustrat, lachend, als wäre nichts geschehen, schlugen die Glocken der St-Pauli-Kirche vier. In zwanzig Minuten fuhr der Zug, der sie nach Groß Flottbek bringen sollte, am Altonaer Bahnhof ab. Wenn sie sich beeilten, schafften sie es vielleicht noch.
»Was hast du wieder angestellt?«, rief Otto dem Bruder entgegen.
Paul zuckte die Achseln und setzte jenes Lächeln auf, mit dem er für gewöhnlich alle Wogen zu glätten vermochte. »Nichts. Ich hatte Tafeldienst.«
»Es ist immer nur der Tafeldienst«, brummte Otto, der immun gegen dieses Lächeln war, und gab den beiden Schwestern ein Zeichen. »Nun los, sonst kommen wir zu spät.« (...)
Während Otto darauf achtete, dass seine beiden Schwestern nicht zurückfielen, rannte Paul vorneweg. Leichtfüßig wie ein Sportler wich der vier Jahre Jüngere den Flanierenden aus und flitzte die Straßenbahngleise entlang, ohne auf die Erwachsenen zu achten, die sich schimpfend nach ihm umdrehten und ihn ermahnten, gefälligst achtzugeben.
»Nun kommt schon, ihr lahmen Kröten«, rief Paul seinen Geschwistern feixend zu, als er kurz innehielt und sich zu ihnen umdrehte. (…)
»Ihr seid doch nur doofe Kesselflicker«, hörte man Paul schreien, bevor er sich den Geschwistern in demselben Tempo, mit dem er fortgelaufen war, wieder näherte. »Ich komme später nach«, rief er ihnen zu und verschwand.
Nun sah Otto auch die beiden Jungen, die ihm grölend folgten.
Es waren zwei kräftig gebaute Burschen mit Schiebermützen und geflickten Hosen, die Otto noch aus der katholische Kirchenschule beim kleinen Michel kannte, in die sie noch vor vier Jahren gegangen waren. Der Vater hatte sie damals wegen der Unfähigkeit der Lehrkräfte abgemeldet und in der ehemaligen Schule der evangelisch-reformierten Gemeinde untergebracht. Die beiden Raufbolde hatten schon damals ständig Ärger gemacht und sich Paul und Otto entgegengestellt, sobald sie ihrer ansichtig wurden, um sich mit ihnen zu messen.
Ausgerechnet heute, dachte Otto, tauchen sie wieder auf. Er holte tief Luft und trat den beiden mit erhobener Hand in den Weg.
»Ich bitte euch recht höflich, meinen Bruder in Ruhe zu lassen.«
»Hast du gehört, er bittet recht höflich.« Der Größere der beiden lachte schallend und sah dabei nicht aus, als würde er es auch nur in Erwägung ziehen, Ottos Wunsch Folge zu leisten. Aber immerhin blieb er stehen. »Wie der schon redet, dieser feine Pinkel aus Groß Flottbek. Bist jetzt wohl was Besseres, was?«
»Können wir das ein andermal klären? Wir haben es eilig.«
Der Junge streckte ihm die flache Hand entgegen. »Was gibst du uns dafür, dass wir wieder abziehen?«
Otto dachte an die Münzen, die er in seinen rechten Strumpf gesteckt hatte und von denen er die Bahnfahrt bezahlen sollte.
»Ich habe nichts dabei«, log er und wendete die Taschen seiner Jacke nach außen.
»So ein Pech für Paul.« Der Raufbold wollte sich an Otto vorbeidrängen, aber da sein Widersacher nirgends zu sehen war, blieb er stehen. »Oder willst du es an seiner Stelle mit uns aufnehmen?« Er trat näher und reckte das Kinn. »Du Hühnerbrust. Na, komm schon, wenn du dich prügeln willst.«
»Ich will mich nicht prügeln«, sagte Otto leise, doch weil er kein Hasenfuß sein wollte, ballte er die Fäuste.
Der Junge lachte. Mit geschwellter Brust trat er vor und rempelte ihn an. Und weil der Brustkorb des Angreifers fast doppelt so breit war wie sein eigener, geriet Otto ins Stolpern, bis er vor dem Schaufenster einer Konditorei zum Stehen kam.
Der Raufbold sprang vor, um Otto erneut zu schubsen, als ein schriller Pfiff erklang und ein Uniformierter mit Pickelhaube auftauchte, gefolgt von Mimi und Tilla, die ihn zur Hilfe gerufen hatten. Bei seinem Anblick rannten die beiden Buschen davon.
»Alles in Ordnung?«, fragte der Polizist und klemmte die Daumen hinter die glänzende Knopfleiste.
Otto nickte, obwohl ihm zum Heulen zumute war. Doch dann sah er Paul hinter einem Baumstamm auftauchen, und weil die Zeit nun noch knapper geworden war und der nächste Zug erst in zwei Stunden fuhr, verzichtete er auf lange Reden und mahnte zur Eile.


Das sagen die Leser*Innen

Großartiges Familienporträt, das ich so nicht erwartet hätte

11.10.2023

Der junge Otto Lagerfeld will wie sein Vater ein erfolgreicher Kaufmann werden, der auch international tätig ist. Daher führt ihn sein erster Weg nach Südamerika und später wird er dann in Wladiwostok ansässig. Sein Plan ist jedoch, irgendwann nach Hamburg zurückzukehren und seinen Traum der eigenen Firma zu verwirklichen. Auch die Hoffnung auf eine Verbindung mit Theresia, der Schwester seines besten Freundes, nährt diesen Wunsch. Doch der Erste Weltkrieg bedeutet Gefangenschaft in Sibirien für ihn und sein Ziel liegt in weiter Ferne …

Meine Meinung:

Mit Begeisterung habe ich diese großartig recherchierte Familiengeschichte gelesen. Bisher habe ich, wie wahrscheinlich die meisten, den Namen Lagerfeld nur mit dem Modezar Karl in Verbindung gebracht, aber welch interessantes Leben bereits sein Vater vorzuweisen hatte, erfuhr ich erst durch diesen Roman.

Er deckt Otto Lagerfelds Leben von 1887 bis zum Tod seiner ersten Ehefrau und großen Liebe Theresia 1921 ab. Karl entsteht erst in der Verbindung mit seiner zweiten Ehefrau, findet also hier noch gar nicht statt, falls es Leser darauf abgesehen hatten.

Wir begleiten Otto auf seinen Reisen in exotische Länder, wo er sich die ersten Sporen als Kaufmann verdient, und freuen uns über seine Erfolge in der russischen Metropole Wladiwostok. Otto ist ein zielstrebiger, fleißiger und ehrenhafter Mann, der geradlinig sein Ziel verfolgt, was ihn mir sehr sympathisch machte. Aber auch von den Leben seiner Geschwister erfahren wir, wobei Paul einen größeren Platz einnimmt, der ein völlig anderer Typ Mensch ist.

Ich fand es großartig, wie die historischen Ereignisse mit ungeheurer Detailgenauigkeit in den Roman eingeflochten wurden. Man hat ja schon einiges aus jener Zeit gelesen, aber dennoch war für mich noch einiges Neue dabei. So habe ich mich auch keine Minute gelangweilt und bin begeistert dem Weg der Familie Lagerfeld gefolgt. Es versteht sich von selbst, dass der zweite Teil – Das Vermächtnis der Familie Lagerfeld –, wo die Geschichte fortgeführt wird, bereits in den Startlöchern steht.

Fans biografischer wie historischer Romane, die Wert auf Authentizität legen, sollten bei dem Buch voll auf ihre Kosten kommen.

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Lebenserinnerungen

01.11.2022

Der Weg der Familie Lagerfeld

Hamburg 1902: Der junge Otto Lagerfeld bricht nach Südamerika auf, um dort als Kaufmann sein Glück zu suchen. Als er seine Familie in Hamburg besucht, trifft er die Schwester seines besten Freundes wieder. Otto ist von Theresia bezaubert, dennoch reist er weiter nach Wladiwostok, um dort amerikanische Dosenmilch zu verkaufen. Gerade als sein neugegründetes Unternehmen zu florieren beginnt, bricht der Krieg aus. Otto gerät in sibirische Gefangenschaft – den vierblättrigen Klee, den Theresia ihm als Glücksbringer schickte, trägt er bei sich. Er weiß, er muss fliehen, um seine Familie wiederzusehen. Und um seinen großen Traum zu verwirklichen …

Jeder kennt wohl den berühmten Modeschöpfer Karl Lagerfeld.
Aber wer kennt schon Otto Lagerfeld, Karls Vater?

In Band 1 der Familiensaga über den Aufstieg der hanseatischen Kaufmannsfamilie Lagerfeld geht es um den jungen Otto, der in einer kinderreichen Familie in Hamburg wohnt und von dort in die weite Welt aufbricht, um ein erfolgreicher Kaufmann zu werden.
Wir lernen die Mitglieder seiner sympathischen Familie kennen, seine erste Liebe Theresia, fahren mit ihm nach Südamerika, wo er erste kaufmännische Erfolge erzielt und begleiten ihn nach Sibirien in die Kriegsgefangenschaft des 1. Weltkriegs.
Er nimmt uns mit, erzählt aus dem Jahr 1942, in dem er anfängt, seine Erinnerungen aufzuschreiben,
zurück in die Jahre 1897 bis 1921, und erinnert sich an seine Kindheit, Jugend bis hin zur Hochzeit.

Die Lebenserinnerungen sind spannend geschrieben, ich habe das Buch nicht aus der Hand legen können, da ich unbedingt wissen wollte, wie es ausgeht. Da die Autorin Zugang zu dem Familienarchiv der Familie Lagerfeld hat, basiert der Roman auf wahren Begebenheiten.
Eine wirklich fesselnde Geschichte, die Lust auf Band 2 macht.

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Heike Koschyk
© Kerstin Petermann

Die Autorin

Heike Koschyk wurde 1967 in New York geboren und arbeitete in der Modebranche, bevor sie mit dem Schreiben von Thrillern und historischen Krimis begann. Ihre große Leidenschaft ist die Recherche. Dazu fährt sie an Originalschauplätze und stöbert in Archiven und alten Bibliotheken. Unter dem Pseudonym Sophie Bonnet veröffentlicht sie Provence-Krimis, die regelmäßig die Bestsellerlisten erobern. Die Autorin lebt mit ihrer Familie in Hamburg.

Mehr über die Autorin

Interview mit Heike Koschyk

1. Unter dem Pseudonym Sophie Bonnet sind Sie als erfolgreiche Krimiautorin bekannt und begeistern mit ihren Büchern rund um den Ermittler Pierre Durand viele Leser:innen. Mit dem Auftakt des Zweiteilers um die Familie Lagerfeld haben Sie jetzt das Genre gewechselt und einen historischen Roman geschrieben. Was hat Sie dazu gebracht, das Genre zu wechseln und diesen Roman zu schreiben?

Auslöser war eine Anfrage aus der Familie Lagerfeld, ob ich bislang unveröffentlichte Quellen für einen Roman über Otto Lagerfeld nutzen wolle. Da mir das historische Genre bereits von früheren Romanen vertraut ist, war ich sofort Feuer und Flamme.

2. Wenn man den Namen Lagerfeld hört, denkt man natürlich in erster Linie an den Modeschöpfer Karl Lagerfeld. Was hat Sie daran gereizt, über Karls Vater, Otto Lagerfeld, und die Gründung des Unternehmens »Glücksklee« zu schreiben?

Das war Liebe auf den ersten Blick. Schon beim Sichten von Ottos Lebenserinnerungen habe ich es gar nicht abwarten können, über ihn zu schreiben. Die Geschichte der Familie Lagerfeld ist so unglaublich spannend und vielseitig, dass es eine Freude war, sie in Worte zu fassen. Und auch wenn Karl darin nur eine kleine Rolle spielt, werden seine Fans einiges über seine Wurzeln erfahren und feststellen, dass er seinem Vater in manchen Dingen gar nicht so unähnlich war.

3. Wann und wo schreiben Sie am liebsten? Haben Sie feste Routinen und Strukturen – oder kommt die Inspiration eher durch Abwechslung?

Während des Schreibprozesses befinde ich mich gedanklich so sehr in der Welt meiner Figuren, dass die Inspiration an den unmöglichsten Orten kommt. Da ist es hilfreich, einen Notizblock dabei zu haben oder ein Mobiltelefon mit Diktierfunktion. Um all diese Ideen zu kanalisieren ist eine gewisse Routine notwendig, daher arbeite ich am liebsten in meinem Schreibbüro.

4. Wie haben Sie recherchiert und was hat Ihnen daran besonders Spaß gemacht?

Basis und Ausgangspunkt meiner Recherchen waren die Dokumente aus dem Familienarchiv. Die bestehenden Lücken habe ich mit Hilfe von Archivmaterial aus ganz Deutschland geschlossen und durch umfangreiche Interviews mit Familienmitgliedern und Zeitzeugen. Und natürlich gehört zu einem solchen Projekt auch die Abklärung der historischen Hintergründe. Ich liebe es, in den entlegensten Quellen nach Antworten zu suchen, in andere Welten und Zeiten zu tauchen und die gewonnenen Informationen dann mit Leben zu füllen.

5. In »Das Glück unserer Zeit. Der Weg der Familie Lagerfeld« entführen Sie Ihre Leser:innen nicht nur nach Hamburg, sondern auch in ferne Länder wie Venezuela, die USA oder Russland, in die zu reisen damals recht beschwerlich war. War es spannender das Hamburg der Jahrhundertwende zu entdecken oder sind Sie mit Ihren Figuren lieber in die Ferne geschweift?

Beides. Ich lebe gerne in Hamburg und besitze eine umfangreiche Sammlung von alten Postkarten, Zeitschriften und Büchern über diese Zeit. Gleichzeitig war es unglaublich reizvoll, Ottos Spuren durch die Welt zu folgen. Ich bin quasi mit ihm auf Entdeckungsreise gegangen. Seitdem bin ich auch im Besitz von historischen Passierlisten und Reisetagebüchern.

6. Reisen Sie gerne? Und wohin wird Ihre nächste Reise gehen?

Ich bin sehr gerne unterwegs und der nächste Urlaub geht wie so oft in die Provence. Aber nach diesem Roman habe ich große Lust bekommen, die Welt per Schiff zu bereisen. Am liebsten über den Atlantik nach New York.

7. Das Zentrum der Familie Lagerfeld in Ihrem Roman ist der Kaufmann Otto Lagerfeld, der nicht nur die Familie Lagerfeld zusammenhält, sondern auch für seine Zeit sehr innovativ und zukunftsorientiert ein sehr erfolgreiches Unternehmen aufgebaut hat. Was gefällt Ihnen an Ihrer Hauptfigur am besten?

Mir gefällt, wie Otto sich Herausforderungen stellt und in jeder noch so prekären Lage nach einem Ausweg sucht. Zudem ist er ein Hanseat nach altem Schlag. Weltgewandt, aufrichtig und geradlinig.

8. Welches Familienmitglied der Lagerfelds finden Sie neben Otto Lagerfeld besonders spannend und warum?

Die Geschichte von Ottos Bruder Paul hat mich am meisten überrascht. Zu Beginn des Projekts hatte ich mir bereits eine Meinung gebildet, bis im Laufe der Recherche viele bewegende Details ans Tageslicht gekommen sind. Und plötzlich wurde aus dem rebellischen und egoistischen Bruder ein Mann, der – weil er im entscheidenden Moment nachgibt – um die Erfüllung seines Lebenstraumes kämpfen muss und daran fast zerbricht.

9. Der Roman beruht auf der wahren Geschichte der Familie Lagerfeld, die in Teilen fiktionalisiert wurde. Was war für Sie als Autorin die größte Herausforderung bei diesem Prozess Wahrheit und Fiktion zu verknüpfen?

Mein Anspruch war es, einen möglichst wirklichkeitsgetreuen Roman zu schreiben, was bei einem Stoff, der bis zur Jahrhundertwende zurückreicht, nicht immer einfach war. Die Figurenzeichnung von Ottos großer Liebe Theresia empfand ich als besonders herausfordernd, da nur wenig über sie bekannt ist. Ich habe jede noch so kleine Information über die Familie Feigl zusammengetragen und diese mit den Beschreibungen aus Ottos Lebenserinnerungen verknüpft, bis ich das Gefühl hatte, der Wahrheit sehr nahe zu kommen. Wie groß der jeweilige Anteil an Realität und Fiktion ist, habe ich im Anhang des Buches vermerkt.

10. »Das Glück unserer Zeit. Der Weg der Familie Lagerfeld« ist der erste Teil einer Romandilogie. Was erwartet die Leser:innen im zweiten Band rund um die Familie Lagerfeld?

Im zweiten Band kommt es für die Familie zu einer Zerreißprobe. Im Mittelpunkt der Geschichte steht die Ehe mit der eigenwilligen Elisabeth, genannt Ebbe, aus der Christel und Karl hervorgehen. Und Pauls Sohn Kurt, der in Otto einen wichtigen Mentor findet und sich gegen Ebbe positioniert. Dazu kämpft Otto als Direktor der amerikanisch geführten Glücksklee Milchwerke gegen Versuche der Nationalsozialisten, die Firma zu zerschlagen. Es bleibt spannend.

Vielen Dank für das Interview.

Die Fragen stellte Barbara Henning, Goldmann Verlag.

Und es wird weiter gehen ...

Band 2: Das Glück unserer Zeit. Das Vermächtnis der Familie Lagerfeld

Hamburg 1925: Otto Lagerfeld steht am Grab seiner geliebten Frau Theresia auf dem Ohlsdorfer Friedhof. Ihn quälen Trauer und die Ungewissheit über das Schicksal seiner Familie. Wird sein Bruder Paul zur Vernunft kommen und Verantwortung übernehmen? Kann er selbst seiner Tochter Thea eine sichere Zukunft bieten? Und was wird aus der Marke Glücksklee, wenn er keine Investoren für die neue Fabrik findet? Otto stürzt sich in die Arbeit. Auf einer Berlinreise stößt er mit der jungen, ehrgeizigen Elisabeth zusammen. Zum ersten Mal seit Theresias Tod fühlt er sich unbeschwert. Doch Elisabeth ist nicht leicht zu beeindrucken, und auf Otto wartet in Hamburg eine tragische Nachricht …

Ab 25. Juli 2022!

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