Cannabis – ein Blatt, das jeder kennt

Selbst die botanisch unbedarfteste Person erkennt beim Betrachten des Blattes sofort, dass es sich um die Cannabispflanze handelt. Das Blatt wurde zum Symbol. Zum Symbol der Jugendkultur, der Widerstandsbewegungen gegen das Establishment, der Rückbesinnung auf die Natur und des Rebellentums.

Auch aus wirtschaftlicher Sicht ist Cannabis besonders. Normalerweise investieren Unternehmen viel Geld, um neue Produkte zu bewerben und bei potenziellen Käufern Begehrlichkeiten zu wecken. Cannabis ist anders. Hier bestanden seit Jahren bereits ein Markt, eine rege Nachfrage sowie eine ganze Branche, die Produkte für den Konsum, die Aufzucht oder das damit verbundene Lifestyle-Feeling lieferte, ohne das auch nur ein Gramm Cannabis (legal) verkauft worden wäre.

Was also ist dran an dem aktuellen Hype? Was kann Cannabidiol wirklich, und was muss man beim Kauf beachten? Wenn Jugendliche mit CBD-Kaugummis in der Tasche auf der Straße von Polizisten angehalten werden – kann es dann überhaupt legal sein?

Auf all diese Fragen und noch viele weitere will dieses Buch Antworten geben. Es soll einen Überblick über das Thema bieten: Für Laien verständlich, aber doch tiefgehend, damit sich am Ende niemand mehr fragen muss, ob man mit medizinischem Cannabis Gefahr läuft, den Führerschein zu verlieren oder ob man von Cannabissamen aus dem Bioladen high werden kann.

Das Buch soll dabei helfen, Informationen einzuordnen. Es soll Chancen und Möglichkeiten aufzeigen, wie Cannabis unsere Gesundheit und unseren Alltag positiv beeinflussen kann. Es soll zeigen, wie kranke Menschen schon heute von der Pflanze profitieren können und welche Rolle Cannabis bei einer gesunden und nachhaltigen Lebensweise spielen kann. Gleichzeitig soll es aber auch die Grenzen aufzeigen und vor falschen Versprechungen oder übertriebenen Erwartungen warnen.

Janika Takats (»Das kleine Buch vom Cannabis«, Auszug aus dem Vorwort)

Janika Takats: »Das kleine Buch vom Cannabis«

Was man darf. Wie es wirkt. Wann es hilft.

Hanfsamen im Supermarkt, CBD-Öl in der Drogerie, medizinisches Cannabis in der Schmerztherapie: Seit einigen Jahren erlebt die Hanfpflanze einen Imagewandel. Lange galt Cannabis lediglich als hochgefährliche Droge, heute wird erkannt, wie es unser Leben verbessern kann: Die Inhaltsstoffe dienen als Gesundheitshelfer im Alltag, Mediziner setzen Cannabis zunehmend als Arzneimittel ein, und Hanf als Lebensmittel ist eine wertvolle Quelle für Vitamine und Antioxidantien. Cannabis-Expertin Janika Takats erklärt die Wirkung der verschiedenen Inhaltsstoffe der Hanfpflanze, verdeutlicht, was legal ist, und räumt auf Basis neuester Forschungsergebnisse mit alten Vorurteilen auf.

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Janika Takats
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Die Autorin Janika Takats

Janika Takats beschäftigt sich seit Jahren beruflich ausführlich mit dem Thema Cannabis. Sie war Chefredakteurin des in.fused-Magazins für Gesundheit, Lifestyle und Cannabis und spricht auf Veranstaltungen wie der re:publica oder verschiedenen Cannabiskonferenzen und -messen. 2017 hat Janika Takats das Canna­Fem Network gegründet, ein Netzwerk für Frauen, die sich beruflich mit der Hanfpflanze beschäftigen. Seit Anfang 2021 bietet sie über ihre Webseite cannabis-anwenden.de Onlinekurse an, in denen sie Orientierung und Hilfestellungen zur Anwendung von medizinischem Cannabis bzw. CBD gibt. Janika Takats ist Mutter einer Tochter und lebt in Berlin.

Cannabis: Fakten & Wissen

Wie lange gibt es Cannabis schon?

Cannabis wächst schon seit vielen Tausend Jahren auf unserem Planeten. Nach derzeitigem Kenntnisstand stammt die Pflanze ursprünglich aus dem Gebiet des heutigen Zentralasiens und wurde von dort aus durch den Menschen auf der ganzen Welt verbreitet. Bereits vor über 10 000 Jahren bauten Menschen Cannabis als Nutzpflanze an – damit gilt sie als eine der ersten Pflanzen, die von sesshaft gewordenen Stämmen kultiviert und bereits damals vielseitig verwendet wurde

So wird sie etwa um 2700 v. Chr. im Arzneibuch des Kaisers Shennong im prähistorischen China unter anderem zur Appetitanregung empfohlen, sowie auch als Heilmittel bei Gicht, Rheumatismus, Verstopfung oder geistiger Abwesenheit. Funde belegen außerdem, dass Cannabissamen Teil der menschlichen Ernährung waren und bereits um 5000 v. Chr. Textilien aus den Fasern des Stängels hergestellt wurden. Aus dem stabilen Pflanzenmaterial wurden Stricke, Netze oder Textilien gefertigt.

Die Cannabispflanze galt zudem in vielen Kulturen als heilig, so etwa im Hinduismus, Buddhismus, im japanischen Shintoismus sowie bei den islamischen Sufis. Auch in zahlreichen schamanischen Ritualen wurde Cannabis bei religiösen Ritualen verwendet, um Böses abzuwenden oder mit den Göttern zu kommunizieren.

Nutzhanf, Rauschhanf, und Medizinalhanf – was steckt dahinter?

In Büchern oder Artikeln zu diesem Thema, gerade in den USA, findet man immer wieder die Unterscheidung zwischen Marihuana (Rauschhanf), Hemp (Nutzhanf) und medizinischem Cannabis. Dabei handelt es sich jedoch nicht um verschiedene Cannabisarten, sondern vielmehr um eine künstlich vom Menschen vorgenommene Unterscheidung. Grund dafür ist der Umstand, dass man »gutes« und nützliches Cannabis von der vermeintlich schlechten und gefährlichen Droge Cannabis abgrenzen wollte.

Im deutschsprachigen Raum werden die Begriffe gleichwertig verwendet. Hanf ist lediglich die deutsche Bezeichnung für den lateinischen Begriff Cannabis. Die offizielle Bezeichnung der Behörden für medizinisches Cannabis lautet Medizinalhanfblüten.

Auch der THC-Wert, welcher rechtlich ausschlaggebend ist, ob eine Pflanze legal als Nutzhanf angebaut werden darf oder nicht, ist kein Kriterium für die Unterscheidung verschiedener Arten oder Sorten. Wie viele andere Merkmale der Pflanze auch, ist er vielmehr das Ergebnis eines langwierigen Züchtungs- und Selektionsprozesses.

Medizinisches Cannabis lässt sich ebenfalls nicht auf bestimmte Sorten beschränken. Hier sind die Anbauweise und die Reinheit des Endproduktes entscheidend. Wenn Cannabis, wie in Deutschland, als Betäubungsmittel klassifiziert ist, muss es hohen Anforderungen genügen, damit der Wirkstoffgehalt möglichst konstant bleibt und die Gesundheit der Patienten nicht durch Verunreinigungen wie Schimmel oder Pestizide gefährdet wird.

Um diesen Vorgaben gerecht zu werden, baut man ihn meist in von der Umwelt abgeschirmten, speziell für diesen Zweck errichteten Anbauräumen an. In ihnen werden Licht, Wasser und Nährstoffzufuhr genau geregelt, und die Mitarbeiter dürfen die Kammern nur in Schutzkleidung betreten, damit die Pflanzen nicht verunreinigt werden.

Welche Teile der Cannabispflanze sind für den Menschen nutzbar?

Fast jeder Teil der Pflanze ist für den Menschen nutzbar. Von den nährstoffreichen Samen über die kräftigen Fasern des Stängels bis zur Zellulose in seinem Inneren sind die Einsatzmöglichkeiten schier endlos.

Welcher Inhaltsstoff macht die Pflanze illegal?

Allein das THC in den Blüten ist es, was die Pflanze illegal macht. Cannabissorten, die weitestgehend THC-frei sind, unterliegen zwar bestimmten Regularien, können aber legal angebaut, verarbeitet und verwendet werden. So kann Cannabis tatsächlich viele Teile unseres Lebens bereichern sowie gesünder und nachhaltiger machen.

Was hat es mit dem THC auf sich?

THC verursacht die psychoaktive Wirkung von Cannabis. Das ist auch der Grund, warum der Stoff im Betäubungsmittelgesetz (BtmG) gelistet und die Pflanze damit für den Freizeitgebrauch illegal ist. Der berauschende Effekt wird von Ärzten oft als unerwünschte Nebenwirkung betrachtet. Von einigen Patienten wird er ebenfalls als unangenehm empfunden, weil sie fürchten, die Kontrolle zu verlieren. Anderen bringt ein leichter Rausch wiederum Erleichterung, da er vom oft langen Leidensweg ablenkt. Freizeitkonsumenten wiederum nutzen Cannabis gerade wegen der berauschenden Wirkung und der positiven Gefühle, die sie damit verbinden.

Neben der berauschenden Wirkung lindert THC Übelkeit und Erbrechen, ist schlaffördernd, appetitanregend, krampflösend und wirkt antidepressiv, stimmungsaufhellend, entzündungshemmend und muskelentspannend. Außerdem kann es Fieber senken, die Bronchien erweitern sowie den Augeninnendruck senken.

Wie regelt Deutschland den Umgang mit Cannabis?

In Deutschland ist Cannabis seit 2017 für die medizinische Anwendung zugänglich. Die Bundesrepublik war zudem das erste Land, welches die Kostenübernahme durch die Krankenkassen gesetzlich regelte.

Bereits seit 1998 darf zudem von den Landwirten wieder Nutzhanf angebaut werden – fristet allerdings auf den Feldern noch ein Nischendasein. Dies liegt unter anderem daran, dass die Entwicklung von Ernte- und Verarbeitungsmaschinen jahrzehntelang vernachlässigt wurde und Innovationen auf dem Gebiet mit enormen Investitionen verbunden sind. Dennoch nehmen in Deutschland wie auch in Europa die Anbauflächen von Jahr zu Jahr zu, weil die Nachfrage steigt: Inzwischen lassen sich Hanfsamen, Hanfsamenöl oder -proteinpulver in den Regalen von Bioläden, Drogerien und Reformhäusern finden. Auch gibt es immer mehr Lebensmittelhersteller, die Hanf als Superfood oder exklusive Zutat in ihre Kreationen einfließen lassen. So brachte der Schokoladenhersteller Ritter Sport 2018 eine auf 100 000 Tafeln limitierte Edition von Vollmilchschokolade mit Hanfsamen auf den Markt, die den Namen »Schoko & Gras« trug und innerhalb kürzester Zeit ausverkauft war.

Die steigende Zahl von Nutzhanfprodukten soll jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass Cannabisblüten für den Genusskonsum nach wie vor verboten sind. Wie lange genau diese Regelung noch Bestand haben wird, ist schwer abzusehen – dass es Änderungen geben wird, ist jedoch recht wahrscheinlich, denn in immer mehr Parteien entwickeln sich Forderungen nach einer Freigabe oder zumindest einer Entkriminalisierung des Eigengebrauchs.

In welchen Lebensbereichen kommt Cannabis heute zum Einsatz?

Ob in der Ernährung, beim Sport, in der Textilproduktion, in der Kosmetik oder beim Hausbau: In immer mehr Lebensbereichen wird Cannabis wiederentdeckt und als neuer Trend gefeiert. Und während THC-haltiges Cannabis als Betäubungsmittel derzeit nur für schwer kranke Menschen legal zugänglich ist, hat sich das lange Zeit vernachlässigte Cannabinoid Cannabidiol (CBD) zum Lifestyleprodukt und neuen Gesundheitstrend gemausert. International ist ein Markt entstanden, der die Vorzüge der Substanz anpreist und immer mehr Produkte herausbringt.

Hat der Imagewandel der Pflanze das Interesse der Forschung geweckt?

Der allmähliche Imagewandel und die zunehmende legale Verfügbarkeit der Pflanze haben dafür gesorgt, dass auch die medizinische Erforschung des Cannabis wieder an Fahrt gewinnt. Besonders die Krebsforschung arbeitet intensiv daran, die Wirkweisen der Pflanze zu verstehen und ihr mögliches Potenzial bei der Behandlung verschiedener Krebsarten zu erschließen.

Auch die Forschung zu Epilepsie hat in den letzten Jahren Fortschritte gemacht, sodass es inzwischen ein Cannabismedikament gibt, welches für die Behandlung von schweren Epilepsieformen zugelassen ist. Die Schmerztherapie ist ebenfalls ein vielversprechendes Feld für den Einsatz der Pflanze und auch bei der Behandlung psychischer Störungen wie Depressionen oder posttraumatischen Belastungsstörungen kommt Cannabis mehr und mehr zum Einsatz.