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Rezensionen zu
Möchte die Witwe angesprochen werden, platziert sie auf dem Grab die Gießkanne mit dem Ausguss nach vorne

Saša Stanišić

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Ich bin eine Kinderbuch-Stanisić Leserin und immer wieder sehr begeistert von der unglaublichen Originalität seiner Texte und der grandiosen Treffsicherheit seiner Sätze. Er schreibt, wie man spricht, oder sich gerne ausdrücken möchte und fügt die Worte so zusammen, dass man sehr gut unterhalten wird und gleichzeitig froh ist, dass er das jetzt gerade genauso geschrieben hat. Irgendwie .... Mein erster Roman von ihm MÖCHTE DIE WITWE ANGESPROCHEN WERDEN, PLATZIERT SIE AUF DEM GRAB DIE GIEßKANNE MIT DEM AUSGUSS NACH VORNE reiht sich völlig nahtlos in diese GedankenLeseLiebe mit ein. In den 12 Kurzgeschichten, die mal mehr mal weniger miteinander verbunden sind, trifft man auf Einsame und Gemeinsame, Familien und Freunde, Situationen und Erinnerungen. Und Entscheidungen ... Man trifft auf das Leben in seiner fabelhaften FacettenFeinheit und ist überrascht von so viel Wahrheit und Gespür.

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Zwölf besondere Erzählungen Von Saša Stanišić habe ich bereits seinen großartigen Roman „Herkunft“ gelesen, der im Jahr 2019 mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet wurde. „Möchte die Witwe angesprochen werden, platziert sie auf dem Grab die Gießkanne mit dem Ausguss nach vorne“ ist sein neuestes Buch, das eine Sammlung von Erzählungen enthält. Der Buchtitel fällt sofort ins Auge und ist gleichzeitig auch der Titel einer der Geschichten. Insgesamt enthält das Buch 12 Erzählungen, von denen einige miteinander verbunden sind – manche fein über einzelne Fäden, andere durch verschiedene Personen. Einige der Kurzgeschichten sind eng miteinander verknüpft und setzen die vorherige fort. Von Freunden die überlegen, wie es wäre, wenn man verschiedene Lebenswege auf Probe ausprobieren könnte, über eine Reinigungskraft, die beschließt, ihr Leben endlich nach ihren Vorstellungen zu leben, von skurrilen Gründen für das Zuspätkommen bis hin zu einem Schriftsteller und einem Hochsitz, Heinrich Heine und Helgoland – es gibt einiges zu entdecken. „Wie super wäre es“, fuhr er fort, „wenn es einen Proberaum für das Leben gäbe? Du gehst zehn Minuten rein und probierst zehn Minuten aus der Zukunft? Wie bei Deichmann, nur nicht mit Schuhen, sondern mit dem Schicksal. Kostenpunkt: hundertdreißig Mark. (Fatih) – Seite 11, eBook Die Geschichten sind alle interessant, einnehmend und auf besondere Weise erzählt. Der Autor hat seinen eigenen Erzählstil, der gleichzeitig locker und auch detailreich ist. Die Charaktere sind stark gezeichnet und haben ihre ganz eigenen Geschichten – von Träumen und Ängsten, von Unsicherheit und Stärke, bis hin zu Glück, Hoffnung und auch Traurigkeit – alles wird in der jeweils passenden Atmosphäre eingefangen und mit feinem Gespür erzählt. Auch Fatihs Anproberaum wird später noch zu einem zentralen Thema. Mal berührend und nachdenklich, dann auch etwas humorvoll und etwas schräg – es gibt eine bunte Mischung und jede einzelne Geschichte hat eine ganz eigene besondere Note, ab und an auch mal mit autobiografischen Zügen. „Mit der Heine-Lektüre begann ich an einem milden Nachmittag im Mai, 1994. Der Wald surrte und sang, ich las und las. (…) Bei mir herrschte ringsum das sachte Rauschen der Blätter, was wie Stille anmutete. Wald im Wind, Fenster im Regen, Gluckern eines Gewässers, Kuhschellen auf der Alm – das sind Geräusche mit Nebenwirkung von Stille.“ (Sasa) – Seite 131, eBook Mein Fazit: Eine Sammlung von lesenswerten Erzählungen, die auf besondere Weise miteinander verwoben sind. Mit einem einnehmenden und gleichzeitig lockeren Schreibstil erzählt der Autor von verschiedensten Begebenheiten – einige der Geschichten sind eng miteinander verbunden, einige nur locker. Gut ausgearbeitete Charaktere und unterschiedlichste Lebenssituationen, die immer in der jeweils passenden Atmosphäre erzählt werden, machen dieses Buch zu einem Lesehighlight. Sehr empfehlenswert.

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Saša Stanišić neuer Erzählungsband „Möchte die Witwe angesprochen werden, platziert sie auf dem Grab die Gießkanne mit dem Ausguss nach vorne“ ist 2024 bei Luchterhand erschienen. Im Sommer 1994 treffen sich vier Freunde „Ausländerjungs in Deutschland“ in den Weinbergen, die sich selbst keine guten Zukunftsaussichten prognostizieren. Fatih heckt einen Plan aus: „Wie super wäre es, wenn es einen Proberaum für das Leben gäbe? Du gehst in den rein und probierst zehn Minuten aus der Zukunft? Wie bei Deichmann, nur nicht mit Schuhen, sondern mit dem Schicksal. Kostenpunkt: hundertdreißig Mark. Falls dir dann gefällt, was du siehst, kannst du es direkt einloggen und dich gleich darauf freuen, weil diese zehn Minuten werden hundertpro irgendwann kommen. Das Einloggen kostet hundertdreißigtausend Mark.“ Das wirft natürlich die Kostenfrage auf, aber eventuell ist ja schon der Traum eines besseren Lebens ausreichend. Fatihs Plan ist auf jeden Fall ausgeklügelt: „Ihr strengt euch an, damit diese Zukunft eine größere Chance hat, einzutreffen! Ihr fresst nur noch Brokkoli und Nüsse und trinkt nur noch Wein und Olivenöl wie die Griechen. Ihr werdet freundlicher zu allen, weil man weiß, weniger assi zu sein, verbessert die Lebensqualität. Schon seid ihr gesünder und glücklicher, ganz ohne den Proberaum!“ Saša Stanišić hat neun Geschichten verfasst, von den die erste „Neue Heimat“ ist. Sie sollten laut dem Autor der Reihe nach gelesen werden. Die Erzählungen hängen alle miteinander zusammen, was wir vor allem in ihren Figurenkonstellationen feststellen. Ihre zeitlichen Abläufen zwischen Bosnienkrieg und unmittelbarer Gegenwart, laufen wiederkehrend auf die Frage nach und der Auseinandersetzung mit der Herkunft hinaus. Ich würde Saša Stanišićs Ton in der deutschen Gegenwartsliteratur als einzigartig bezeichnen, als ungekünstelt aber künstlerisch. Seine Prosa führt zu neuen Denkanstößen. In der titelgebenden Erzählung besucht Gisel das Grab ihres vor vier Jahren verstorbenen Mannes. Sie hat sich natürlich daran gewöhnt, ohne ihn zu leben, aber manchmal überflutet sie die Sehnsucht, dann wünscht sie ihn sich her, wünscht sich, mit ihm streiten zu können, und dass er sich für irgendwas entschuldigt. Kann man schöner von der Liebe erzählen? „Einem geliebten Menschen böse zu sein, sollte niemandem schwerfallen. Beide schweigen dann eine Weile, oder einer geht Holz hacken, der andere Zugvögel gucken, oder was man halt gerne macht, und schon hat man Kraft, um einander wieder wohlgesonnen zu sein. Und sich auch wieder zu streiten, wenn es sein muss, ja.“ Gleichzeitig finden wir in diesen Erzählungen auch viele autobiografische Anspielungen Stanišićs. Wir erfahren wie ein Hochsitz zu seinem Lese- und Geschichtenerfindungsort wurde; wie er von Heinrich Heine inspiriert nach Helgoland reist, und sich dort in einem Spiel mit der Wahrheit und einer erfundenen Geschichte selbst als Autor begegnet. Stanišićs zeichnet Figuren des normalen Lebens. Sie sind keine Abenteurer, keine Helden, keine Stars, sie leben ihr Leben unglamourös. Sie leben in ganz unprätentiösen Orten wie Winsen an der Luhe, Bremen, Heidelberg oder der Lüneburger Heide. Der Autor mag die Menschen, über die er schreibt. Für mich ist es die Mischung aus Einfühlsamkeit und Humor, die diese Erzählungen zu einem Lektüregenuss machen.

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Um das, was ist und das, was hätte sein können, darum geht es in den Geschichten von Saša Stanišić in diesem Buch (nachfolgend aus ökonomischen Platzgründen “Witwe” genannt). Der Ausgangspunkt: Die Träumereien von ein paar 16-jährigen Jungen, darunter der Autor selbst, in den Heidelberger Weinbergen des Jahres 1994, werden zu einem philosophischen Parforceritt, bei dem wir viele ganz unterschiedliche Menschen kennenlernen, die sich alle die mehr oder weniger gleichen Fragen stellen: Lebe ich das richtige Leben? Was wäre jetzt, wenn die Vergangenheit anders gelaufen wäre? Und wie würden wir uns entscheiden, wenn wir einen kleinen Sneak-Peak auf unser Leben bekommen würden? Würden wir nach dem Ansehen dieses random Moments aus unserer Zukunft auf Einloggen (= Ja, dieses Leben nehme ich!) drücken? Wenn ein Piraten-Memory-Spiel - das im Buch übrigens längst nicht mehr so schwer zu bekommen ist wie in der britischen Comedy-Serie “Little Britain” beschrieben - und dessen Entsorgung zur Erz-Nemesis eines ganz normalen Familienvaters (Georg Horvath) wird, dann gehört das exakt zu den Dingen, die ich unter anderem literarisch verarbeitet sehen möchte. Ich frage mich nur, woher Saša Stanišić das wusste. Die Geschichte mit Helgoland, ja die ist wunderbar meta-, inter- und was sonst noch alles -textuell, dass man als Leser:in gar nicht mehr hinterkommt sich zu fragen was jetzt genau Wahrheit und was Fiktion ist/war/gewesen sein sollte. Ein herrlich witziges Kuddelmuddel. Nicht nur zitiert der Autor hier und dort und da Heine (was für ein cooler Typ Heine doch war, danke fürs wieder-bewusst-machen) und andere, er gibt uns auch selbst wunderbare Einblicke in seine Poetik aka seine Autorenhacks: “Bei ‘mastodon’ hat der Autor mal erzählt, er füge gelegentlich nur deswegen Sätze hinzu, damit der letzte Absatz auf der Seite glatt abschließt, also nicht noch die erste Zeile des nächsten Absatzes dranhängt (S. 116). Erfrischend ehrlich, oder? Und sinngemäß: Googelt doch selbst, was “Lange Anna” ist, ich kann euch nicht alles auf dem Silbertablett meiner Prosa servieren, etc. Ich müsste jetzt lügen, wenn ich sagen würde, ich hätte die zwei Geschichten mit den - waren es vier? - Freunden in Winsen an der Luhe verstanden. Also Doppelkopf,Tigermücken, Hitzschlag, Lego-Eisenbahn, Reichsbürger etc. Ne, da war ich mal kurz raus weil ich nicht verstanden habe, was uns der Autor mit dieser Geschichte sagen wollte. Vielleicht ja auch gar nichts, aber das Gedicht in der Hitzschlagszene fand ich schön. Echt. Und dann ist da natürlich Gisela, die titelgebende Witwe mit der zeichenhaften Gießkanne. Sie, ich kann es nicht anders als pathetisch sagen, gießt sich auf dem nebligen Friedhof buchstäblich in unser aller Herz und lässt es auftauen (wenn es das denn nötig haben sollte) wie die zugefrorenen Blumen auf dem Grab ihres Ehemannes. Ich habe oft gelacht, als ich dieses Buch gelesen habe. Ich habe mich in Gedankenspielen verloren und sie wieder verworfen. Ich habe mich ertappt gefühlt und mich gefreut. Und ja: gerührt war ich auch und manchmal wurde ich auch geschüttelt - ich wurde sozusagen zum lesenden Martini. Mehr kann ich euch jetzt gar nicht sagen. Ich habe keine anderen Rezensionen gelesen und auch das Interview von Denis Scheck mit dem Autor bei “Druckfrisch” nicht angeschaut. Unvoreingenommen, aber ich freue mich trotzdem, wenn ihr meine Rezension bis hierhin gelesen und dann vielleicht deswegen zu der “Witwe” greift. Es lohnt sich. Und ich würde sagen: Plastikummantelung gelbe Tonne soweit vorhanden, der Rest: Restmüll.

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