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Rezensionen zu
Der Untergang der "Wager"

David Grann

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€ 25,00 [D] inkl. MwSt. | € 25,70 [A] | CHF 34,50* (* empf. VK-Preis)

David Granns Buch Der Untergang der "Wager" ist eine fesselnde Reise in die dunklen Tiefen des menschlichen Überlebensinstinkts und die Herausforderungen des 18. Jahrhunderts auf hoher See. Mit beeindruckender Detailgenauigkeit und akribischer Recherche gelingt es Grann, die tragische Geschichte der HMS Wager wieder zum Leben zu erwecken, die während des Krieges um Jenkins’ Ohr 1741 an der patagonischen Küste Schiffbruch erlitt. Das Buch beginnt mit der Vorstellung der HMS Wager und ihrer Mission, als Teil einer britischen Flotte die spanischen Handelsrouten im Pazifik zu stören und letztlich spanische Gold- und Silbertransporte zu kapern. Grann schildert das Leben an Bord mit all seinen Schrecken – von press gangs, die ahnungslose Männer zwangsrekrutierten, bis hin zu den verheerenden Auswirkungen von Skorbut und anderen Krankheiten. Die Bedingungen auf den Schiffen waren entsetzlich: Überfüllung, schlechte Hygiene und unzureichende Nahrung führten zu zahlreichen Todesfällen noch bevor die eigentliche Katastrophe eintrat. Die Stärke des Buches liegt in Granns Fähigkeit, die historischen Figuren lebendig und greifbar zu machen. Besonders beeindruckend sind die Charakterisierungen von Kapitän David Cheap, dessen rigide Führung und zweifelhafte Entscheidungen zur Eskalation der Krise beitrugen, und Midshipman John Byron, der später als Großvater des berühmten Dichters Lord Byron bekannt wurde. Auch die Darstellung des Gunners John Bulkley, Anführer der Meuterer, ist bemerkenswert; Grann zeigt ihn als einen komplexen Charakter, der sowohl maritimes Geschick als auch literarisches Talent besaß. Nach dem Schiffbruch auf einer unbewohnten Insel zerbrach die Disziplin der Royal Navy schnell. Die Männer teilten sich in Fraktionen, und es kam zu Plünderungen, Befehlsverweigerungen und schließlich zu Mord und Kannibalismus. Grann schildert diese Ereignisse mit einer Intensität, die den Leser tief in die verzweifelte Lage der Überlebenden eintauchen lässt. Besonders eindrucksvoll ist seine Fähigkeit, die widersprüchlichen Berichte der Überlebenden zu präsentieren und abzuwägen, ohne den Lesefluss zu stören. Neben der packenden Erzählung bietet Der Untergang der "Wager" auch wertvolle Einblicke in die maritimen und gesellschaftlichen Bedingungen des 18. Jahrhunderts. Grann ergänzt die zentrale Handlung durch Diskussionen über die Herausforderungen des Lebens in der Royal Navy, die Auswirkungen von Skorbut und Begegnungen mit den indigenen Völkern, die die Schiffbrüchigen trafen. Ein weiterer Höhepunkt des Buches sind die zahlreichen Illustrationen und Karten, die das Leseerlebnis bereichern. Von zeitgenössischen Porträts der Hauptfiguren über Karten der Reiseroute bis hin zu Darstellungen des Lebens auf der verlassenen Insel bieten diese visuellen Elemente eine willkommene Ergänzung zur textlichen Schilderung. David Grann gelingt es, die komplexe und dramatische Geschichte der HMS Wager in einem knappen und prägnanten Stil zu erzählen. Mit einer Länge von etwa 432 Seiten bleibt das Buch stets spannend und verliert sich nie in unnötigen Ausschweifungen. Es ist ein beeindruckendes Beispiel für historische Sachliteratur, die nicht nur informiert, sondern auch tief bewegt. Der Untergang der "Wager" ist ein Muss für Liebhaber von Seefahrtsgeschichten und historischer Non-Fiction. Granns Werk zeigt eindrucksvoll, wie dünn der Schleier der Zivilisation ist und wie extremen Bedingungen den wahren Charakter eines Menschen offenbaren können. Ein meisterhaft erzähltes Abenteuer!

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David Grann setzt sich in seinen literarischen Sachbüchern immer wieder mit der Frage des Überlebens in Extremsituationen auseinander. Ganz gleich, ob er uns in den Regenwald des Amazonas, in die weiße Hölle der Antaktis, auf die Ölfelder in Oklahoma oder, wie in seinem neuesten Sachbuch, auf hohe See mitnimmt. „Der Untergang der Wager“ erzählt, so der Untertitel, eine „wahre Geschichte von Schiffbruch, Mord und Meuterei“. Aber dieses akribisch recherchierte Buch hat mehr, viel mehr zu bieten, wirft es doch bei näherem Hinsehen einen entlarvenden Blick auf das britische Empire, das skrupellos seinen Einflussbereich mit allen Mittel erweitern und festigen will, sinnlose Kriege führt (wie in diesem Fall der „War of Jenkins‘ Ear „1739 – 1748) und ohne mit der Wimper zu zucken Menschen in den sicheren Tod schickt. Anfang 1740 sticht die „Wager“ als Teil einer Flotte von 6 Schiffen in See. Sie ist kein Kriegs- sondern ein umgebautes Handelsschiff, nicht geeignet für die lange Reise bis zur Südspitze Südamerikas und die unter Seeleuten gefürchtete Umrundung Kap Horns. An Bord knapp 200 Mann Besatzung, die meisten zwangsrekrutiert, offiziell mit dem Auftrag, die spanische Flotte zu dezimieren, inoffiziell angewiesen, sich der vermuteten Goldschätze auf den Schiffen der Spanier zu bemächtigen. Was folgt, ist Geschichte. Vor Patagonien wütet ein Sturm, dem die unterernährte und von zahlreichen Krankheiten gezeichnete Mannschaft nichts entgegenzusetzen hat. Die „Wager“ wird abgetrieben, läuft auf einen Felsen, bricht auseinander, sinkt. Die wenigen Überlebenden retten sich auf eine unbewohnte Insel. Ein halbes Jahr später landet an Brasiliens Küste ein windschiefer, notdürftig zusammengeflickter Segler mit 30 Männern, die sich als die einzigen Überlebenden des Unglücks zu erkennen geben…bis, ja bis ein halbes Jahr später 3 Schiffbrüchige in Chile an Land gespült werden, die eine ganz andere Version der Ereignisse erzählen. Sie berichten von Meuterei, von Mord und von Flucht. Aussage steht gegen Aussage, wer sagt die Wahrheit? Dies gilt es herauszufinden, und so kommt der Fall nach der Rückkehr nach Großbritannien vor ein Kriegsgericht. Wie gewohnt wurden von David Grann Unmengen der zugänglichen Materialien verarbeitet, was die Quellenangaben von S. 371 – 430 beweisen. Nach eigener Aussage hat er über fünf Jahre für dieses Buch recherchiert, einen Wust von Dokumenten gesichtet, detailliert geführte Log- und Tagebücher ausgewertet, sich vor Ort an den Originalschauplätzen umgeschaut und all diese Erkenntnisse zu einem höchst lesenswerten Sachbuch verarbeitet, das spannender als so mancher Thriller ist. Er liefert Informationen, ergreift aber keine Partei (höchstens zwischen den Zeilen), sondern überlässt es seinen Lesern, sich eine eigene Meinung zu diesem Fall zu bilden. Was man allerdings nicht vergessen sollte, und das scheint mir auch ein Anliegen Granns und die Kernaussage dieses Buches zu sein: Die offizielle Geschichtsschreibung stützt sich auf die Aussagen der Sieger und die Anweisungen derjenigen, die alle Möglichkeiten haben, damit nur die Informationen an die Öffentlichkeit gelangen, die ihrem Narrativ dienen. Wen wundert’s? Lesen. Unbedingt!

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1742 schaffen es 30 Männer zurück nach England. Sie erzählen von einer abenteuerlichen Fahrt entlang von Kap Hoorn, bei der sie strandeten und nicht alle überlebten. Sechs Monate später kommen drei weitere Besatzungsmitglieder zurück nach England und erklären, dass die 30 Männer Meuterei begingen. Wer sagt die Wahrheit und was trug sich wirklich zu? Ein Gericht muss die Entscheidung treffen. Ich lese selten Sachbücher. Dieses hat mich dennoch aufgrund der Thematik angesprochen, nachdem eine englische Bloggerin sehr positiv darüber berichtet hat. Zudem hat es einen der Goodreads Choice Awards gewonnen, weshalb für mich klar war, dass ich für dieses Buch wirklich eine Ausnahme machen würde. Und es hat sich definitiv gelohnt. Das Buch liest sich sehr angenehm flüssig. Auch wenn klar ist, dass dies ein Sachbuch ist, ist es teils doch beinahe wie ein Roman geschrieben. Ich wollte am liebsten gar nicht aufhören zu lesen und insbesondere nach etwa 130 Seiten wurde es immer spannender und interessanter. Besonders gefallen hat mir, dass der Autor die Charaktere und Geschehnisse mit dem Zeitgeschehen verknüpft und dabei auch auf Literatur der Zeit zurückgreift. Ich hatte das Gefühl, nicht nur über den Untergang der Wager zu lernen, sondern auch mehr über die Zeit generell. Das Buch ist extrem gut recherchiert, wovon insbesondere die vielen Zitationshinweise im Buch zeugen. Schön fand ich auch die Bebilderung, welche sich in der Mitte des Buches finden und die einige der Charaktere des Buches, die Schiffe und generelle Szenen der Zeit zeigen. Fazit: Ich möchte dieses Buch unbedingt allen ans Herz legen, die sich für Seefahrt oder die generelle Zeit um 1740 interessieren, egal ob man sonst gerne Sachbücher liest oder nicht. Hier lernt man so einiges und gleichzeitig übt dieses Buch einen Sog aus, wie es sonst eher ein Roman tun würde!

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Mit Sachbüchern ist es bei mir so eine Sache. Ich bin wirklich an vielen Themen interessiert und möchte dann immer mehr darüber wissen. In meinem Leben bin ich aber an einem Punkt, an dem ich gerade nicht die Kapazität und auch die Lust habe, mich mit wirklich tiefer gehend mit einem Thema auseinander zu setzten und zu recherchieren. Oder kurz gesagt, ich möchte fertig aufbereitete Informationen, optional unterhaltsam umgesetzt. Diese Bedürfnisse stillt „Der Untergang der Wager“ in perfekter Art und Weise. Wenn das Time Magazin dem Klappentext urteilt „Liest sich wie ein Thriller“, dann ist das keine Übertreibung. Auch ich fand die Geschichte des englischen Schiffes, die historischen Hintergrundinformationen und die von Grann ausgewählten Einzelschicksale so spannend, dass mich das Buch unglaublich fesselte und zu meinen Highlights der populärwissenschaftlichen Bücher gehören wird. Ich möchte nicht so viel vom Inhalt spoilern. Gut, das Schiff wird untergehen, das verrät schon der Titel. Aber warum? Und was passiert danach mit der Besatzung? Und Mord und Meuterei? Zugeben, das kling schon etwas reißerisch, wird aber den historischen Tatsachen, die sich im Januar 1742 vor der Küste Brasiliens abspielten, gemäß Granns detaillierten Recherchen durchaus gerecht. Mir gefällt diese Mischung aus Seefahrer-Abenteuer und Survival-Geschichte ausgesprochen gut. Zumal Grann seine Erzählung in viele interessant beschriebene Hintergrundinformationen zum historischen Kontext über Seefahrt, die englische Navy und die damalige gesellschaftliche und soziale Situation einbettet. „Der Untergang der Wager“ bietet mir einen wunderbar unterhaltsamen und lebendigen Einblick in die Vergangenheit. Positiv hervorheben möchte ich besonders, dass Grann auch auf die negativen Folgen und beispielhaft auf das dem Kolonialismus zu Grunde liegende Menschenbild eingeht. Und er vergißt nicht den wertvollen Hinweis auf die vielen ebenfalls tragischen, aber vergessenen und unerzählten Geschichten der ,durch den Kolonialismus ausgelöschten, indigenen Völker. Ein Benefit ist das farbige Bildmaterial und die Karten in den Buchdeckeln, weswegen ich hier nicht zum Hörbuch gegriffen habe, sondern mit dem hochwertig Hardcover sehr glücklich bin. Für mich war „Der Untergang der Wager“ ein Must-Read und ist für dich eine große Empfehlung, wenn es dich thematisch anspricht.

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„Wir alle neigen dazu, in den zufälligen Ereignissen unseres Lebens einen roten Faden – einen Sinn – zu erkennen. Wir durchstöbern unsere Erinnerungen und durchsuchen die Bilder, die sich dort angesammelt haben, um sie entweder aufzupolieren oder auszusortieren. So werden wir zu Helden unserer eigenen Geschichte, was es uns ermöglicht, mit dem zu leben, was wir getan und was wir gelassen haben. Die Männer jedoch, von denen hier die Rede ist, wussten, ihr Leben hing von der Geschichte ab, die sie erzählten. Geriet die nicht überzeugend, drohte ihnen nicht weniger, als an einer Rahe aufgegeknüpft zu werden.“ (S.17) Ich lese nicht oft Sachbücher, aber dieses Buch hier sticht heraus durch: “Liest sich wie ein Thriller” , “True-Crime”, und “#1-New-York-Times-Bestseller und es ist super erfolgreich auf der ganzen Welt! Das hat mich extrem neugierig gemacht! Wir befinden uns im Jahr 1740; England ist im Krieg mit Spanien und auf dem Höhepunkt des kriegerischen Geschehens tritt ein Geschwader aus mehreren Englischen Schiffen, darunter auch die Wager, eine Mission an; sie sollen den Schatz einer Spanischen Galeere an sich bringen. Dafür segeln sie über den Atlantik, an Afrika vorbei, längs Brasilien und Patagonien, umrunden das Kap Horn und weiter geht es auf dem Pazifik, entlang Chile und Peru, die von Spanien kontrolliert wurden, und dann wieder zurück nach England. Das Kap Horn ist tückisch, das Geschwader bricht immer mehr auseinander, schließlich ist die Wager nur noch auf sich allein gestellt und erleidet Schiffbruch etwas nördlich von Kap Horn. Die Mannschaft rettet sich auf eine einsame Insel, die den Namen “Wager Island” bekommt. Der Untergang des Schiffes wird dem Kapitän David Cheap angelastet, da seine Befehle laut der Einschätzung Vieler zum Sinken der Wager geführt haben. Cheaps Autorität ist angeknackst und im Überlebenskampf auf der Insel zeigen sich die “wahren Anführer”, die, die einfach etwas an sich haben, das man ihnen folgt. So wird der Stückmeister John Bulkeley zum neuen Oberhaupt. Als es darum geht, die Barkasse der Wager flott zu machen um von der Insel zu kommen und wieder nach England zu finden, gehen die Meinungen auseinander. Cheap möchte seinen militärischen Befehl weiterverfolgen und nach Norden, nach Chiloé, schippern um dort ein Schiff zu kapern und die Mission weiterzuführen, Bulkeley hingehen empfiehlt über Süden zu fahren, durch die Magellanstraße und dann wieder den Weg zurück, den sie gekommen sind. So spaltet sich die Gruppe und gibt es zwei Routen, die wieder nach Hause führen sollen. Wer kommt letztendlich wieder in England an, wer kommt vors Kriegsgericht und muss sich für seine Taten wie Mord und Meuterei verantworten? Ich muss ehrlich sagen, dass ich mich durch die ersten 130 Seiten etwas durchquälen musste. Nichtsdestotrotz liefert uns David Grann hier einen Basistock für die Geschichte; es geht um die geschichtlichen Hintergünde an sich, die damalige Zwangsrektrutierung der Seemänner, alles rund um den Schiffsbau, die damaligen Krankheiten, die Hierarchie auf einem Schiff, die Besatzung und Hintergründe zu den wichtigen Charakteren. Alles wichtig - trotzdem war es für mich ehrlicherweise etwas zäh zu lesen. Das mag aber auch daran liegen, dass ich solche Tatsachenberichte nicht so oft lese. Ab Seite 131, kurz bevor die Wager Schiffbruch erleidet, wurde es aber richtig spannend und ab da war ich vollends gefesselt vom weiteren Verlauf der Geschichte. Die Erzählung nahm ab hier auch etwas romanhafte Züge an, was mir absolut entgegen kam. Durch mehrere Karten lassen sich die Wege der Schiffe gut nachverfolgen und immer wieder habe ich dorthin geblättert während des Lesens. In der Mitte des Buches gibt es auch noch einige farbige Abbildungen von Gemälden, Foto eines Logbuchs, Bilder der Orte, Kupferstiche, uvm. was das Ganze unheimlich bereichert hat. Die Recherche von David Grann zu dieser Exkursion ist erschlagend; allein die Quellenangaben umfassen 60 Seiten. Und wenn er von den Kartons an Dokumenten berichtet, die er für die Recherche für dieses Buch durchgearbeitet hat, kann ich mich nur verneigen. Ein hochspannendes Kapitel Geschichte, das einem Abenteuerroman in Nichts nachsteht! Lese-Empfehlung - 4 Sterne ⭐️!

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Ein Geschichtsbuch und zugleich ein überaus dramatischer Thriller: David Grann ist ein Meister darin, historische Ereignisse derart lebensnah und authentisch darzustellen, dass man richtiggehend in das Geschehen hineingezogen wird. Ob man will oder nicht. Es war das Jahr 1740: 2000 Mann brachen in England aus auf, nur ein paar hundert kehrten, Jahre später und auf unterschiedlichen Wegen, zurück. Der Auftrag, den die kleine Flotte unter dem Kommando von Commodore Ansom hatte, war, spanische Schiffe aufzubringen und die dort geladenen Schätze für die englische Krone zu sichern. Schon der Aufbruch verzögerte sich um Wochen und dann verhinderten die Winde, dass die Fahrt über den Atlantik zur Südspitze Südamerikas in der geplanten Zeit vonstattengehen konnte. Dort angekommen, traf Ansom die Entscheidung, nicht die bereits erkundete Magellan-Straße zu befahren, sondern die noch weitaus gefährlichere Route über Kap Hoorn zu nehmen. Eine Entscheidung, die für die Besatzungen und für die Schiffe fatale Folgen haben sollte. Zum einen schafften es die Schiffe mit der damaligen Ausrüstung nicht, konsequent gegen die Strömung, die enorme Dünung und die heftigen Stürme zu segeln und zum anderen waren Navigation und Standortbestimmung noch weit davon entfernt, genaue Ergebnisse zu liefern. So wussten der Commodore und die Kapitäne der Flotte meist nicht, wo sie sich befanden. Eines der Schiffe war die Wager unter dem Kommando von Kapitän Cheap. Wie auch an Bord der anderen Schiffe wurde die Mannschaft der Wager wegen der immer länger andauernde Fahrt ein Opfer von Skorbut, immer mehr Männer starben daran und anderen Erkrankungen. Es wurde von Tag zu Tag schwieriger, mit der reduzierten Mannschaft zu manövrieren und dazu auch noch die immer umfangreicheren Schäden am Schiff zu beheben. Als endlich die Südspitze des Kontinents umschifft war, strandete es die Wager, inzwischen hatte man den Kontakt zur restlichen Flotte verloren, vor einer kleinen Insel, die später den Namen Wager Island erhielt. Dabei wurde das Schiff völlig zerstört. Damit ist David Grann beim zentralen Thema des Buches angelangt: wie verhalten sich Menschen, die völlig auf sich allein gestellt und beinahe ohne Hoffnung sind, jemals aus einer schier hoffnungslosen Lage entkommen zu können. Man liest von Streitigkeiten, die in Gewaltausbrüchen mündeten, vom Versuch des Kapitäns, seine Autorität mit der Waffe durchzusetzen. Es entstanden Gruppen, die regelrecht verfeindet waren und unterschiedliche Wege gehen wollten – Revolten, Plünderungen und Meuterei waren unvermeidbar. Dabei forderte das Leben auf der Insel immer mehr Opfer, denn schon die Suche nach Nahrung verlangte den Männern alles ab. Diese dramatischen Szenen lesen sich wie eine Live-Reportage von der Insel, man versteht die Verzweiflung der Menschen und die Ausweglosigkeit der Situation, als wäre man selbst dabei. Es ist eine großartige Beschreibung von Lebensumständen, die man sich niemals vorstellen könnte, ist man nicht selbst in solch einer Lage. Grann setzt diese „Reportage“ aus den Tagebucheintragungen und Erinnerungen einiger der Überlebenden zusammen und ergänzt alles mit dem, was man später erfuhr und was auch Grann selbst in Erfahrung brachte, als er im Zug der Recherchen zum Buch die Insel betrat. Wenn Grann dann das Geschehen aus den so unterschiedlichen Perspektiven einzelner Beteiligter beschreibt, dann wird auch deutlich, wie subjektiv und abweichend Erinnerungen an ein und dasselbe Ereignis sein können. Was davon die tatsächliche Wahrheit ist, lässt sich oft nicht abschließend klären. Ein weiterer Aspekt ist das Selbstverständnis, mit dem die Europäer auftraten. Einheimische wurden als Wilde, oft als Kannibalen, meistens als minderwertige Menschen betrachtet und als solche behandelt. In grenzenloser Überheblichkeit glauben die meisten der Europäer (gleich ob Engländer oder Spanier oder andere), dass die Einheimischen den Weißen unterlegen wären, man konnte sie nach Belieben bestrafen, maßregeln oder als Sklaven verkaufen. Dabei war es, bei den Überlebenden der Wager kam das mehrmals vor, genau umgekehrt. Ohne die Hilfe der Einheimischen hätte wohl keiner der Schiffbrüchigen den Weg zurück nach England gefunden. Wenn Barack Obama dieses Buch als eines seiner Favorite-Books aus dem Jahr 2023 bezeichnet, dann verstehe ich das völlig; es ist eines meiner Favoriten 2024. "Der Untergang der Wager" ist wirklich ein großartiges Buch, das ein historisches Ereignis voller Dramatik enorm wirkungsvoll beschreibt. Wüsste man nicht, dass alles das stattgefunden hat, wäre es auch ohne den geschichtlichen Hintergrund ein Thriller mit Bestseller-Potential.

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"Ein Kriegsschiff ist eine Welt im Kleinen. Jeder Charakter ist hier vertreten, sei er gut oder schlecht. ... Eine lange und gefährliche Seereise gibt Einblick in die Abgründe der menschlichen Seele." In seinem Buch "Der Untergang der Wager - Eine Geschichte von Schiffbruch, Mord und Meuterei" beschäftigt sich David Grann, wie der Titel schon sagt, mit der HMS Wager, die im Golf der Schmerzen versank. Dieses Buch ist eine Mischung aus Sachbuch und Roman. Übersetzt wurde der Roman aus dem Englischen von Rudolf Mast. Januar 1740: Das britische Empire rüstet sich für einen Krieg gegen Spanien. Kommodore George Anson soll das Geschwader von fünf Kriegsschiffen begehligen. David Cheap ist zu Beginn des Kommandos seine rechte Hand und wird später dann Kapitän der Wager. Doch schon der Beginn des Auftrages ist schwierig und holprig. Da der Navy die Schiffe ausgegangen waren, wurde kurzerhand die Wager, eigentlich ein Ostindienfahrer, zu einem Kriegsschiff umfunktioniert. Doch nicht nur die Schiffe waren der Navy ausgegangen: Auch kriegswillige Seeleute, um die Schiffe zu bemannen, fehlten. Und so griff die Navy nach drastischen Maßnahmen: Menschen wurden entführt, und selbst die alten und verwundeten Veteranen aus früheren Zeiten wurden teils auf Tragen auf die Schiffe verschleppt. Männer, die ihre Jugend und Gesundheit bereits beim Dienst am Vaterland verloren haben. Am 23. August 1740, mit fast einem Jahr Verspätung, startet das Geschwader endlich in Portsmouth zuerst Richtung Madeira, ehe sie ihre Reise in das portugiesisch besetzte Brasilien führt. Die Flotte erreichte im Dezember Brasilien und füllte ihre Vorräte auf, ehe es am 17. Dezember 1740 weiterging, um noch vor dem antarktischen Wintereinbruch Kap Hoorn zu umsegeln. Im März 1741 gerät die bereits angeschlagen und hinter den anderen Schiffen weit zurückgefallene Wager, im Golf der Schmerzen in Untiefen. Die Brandung peitscht das Schiff wieder und wieder gegen die Felsen, wobei es mehr und mehr zerstört wird. Und so stranden Kapitän Cheap und seine Mannschaft auf einer unwirtlichen Insel, die die Männer vor neue Herausforderungen stellt und die Manschaft relativ schnell spaltet. Der Stückmeister Bulkeley und 80 Männer machten sich auf den Weg durch die Magellanstraße zur brasilianischen Küste. Cheap blieb mit einer handvoll Seeleuten auf der Insel zurück. Buckeley und 30 andere Männer schaffen es zurück nach Brasilien. Sie klagen den Kapitän der Wager an. Als ein halbes Jahr später Kapitän Cheap mit zwei weiteren Männern in Chile strandet, erklären sie den Rest der Mannschaft als Meuterer. Wer die Wahrheit erzählt, soll ein Kriegsgericht entscheiden ... "Das Gesetz ist der Wächter über das Ideal einer reinen Wahrheit, einer Wahrheit ohne die Ausschmückungen einer Narration. ... Am Ende setzt sich jene Geschichte durch, die sich dem Druck der Beweislast gegenüber am unempfindlichsten erweist." David Grann stützt sich bei seinem Roman auf Hinterlassenschaften in Archiven, wie Logbücher, Briefe, Tagebücher und Unterlagen des Prozesses. Er sagt selbst, dass es ein Ding der Unmöglichkeit ist, die unterschiedlichen und zum Teil auch widerstreitenden Positionen der Beteiligten zu befrieden. Er hat versucht alle Seiten zu Wort kommen zu lassen, ohne dabei Differenzen zu glätten oder sich für eine der Seiten zu entscheiden. Hier darf ich mein eigenes Urteil fällen. Grann versucht uns von den wichtigen Charakteren dieses Unglücks, anhand der persönlichen Aufzeichnungen, ein Bild zu zeichnen. So bekommen wir einen ungefähren Eindruck, was für Menschen das vielleicht waren, was sie ausmachte und was ihnen wichtig war. Was unglaublich gut dabei hilft, deren Beweggründe für ihr Handeln zu verstehen oder zumindest nachzuvollziehen. Auch bekommen wir schon sehr viele Informationen zu den Vorbereitungen, welche indirekt schon auch Erklärungen für bestimmte Verhaltensweisen liefern. Ein wirklich interessantes Buch, mit sehr vielen Informationen, das aber auch die Portion Abenteuer nicht vermissen lässt.

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