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Nominiert für den Deutschen Buchpreis 2026 und den Bayerischen Buchpreis 2026
Überlebensgroß. Auf einem Werbedisplay in der unterirdischen Taipei Mall. So sieht die junge Ärztin Novana ihre Mutter wieder, die taiwanische Künstlerin March. Achtzehn Jahre ist es her, dass March sie ohne jede Erklärung in Deutschland zurückließ.
Alles, was Novanas Leben zuletzt bestimmt hat, verblasst angesichts dieses unerwarteten Wiedersehens: ihr Wunsch nach einem Neuanfang, der sie aus Köln weggehen ließ. Der Alltag auf der Neugeborenen-Intensivstation in Taipei. Die Nächte, in denen sie schlaflos durch die Millionenstadt streift.
Dann lernt Novana auf einem Karaokeabend Sihan kennen. Eine furchtlose Aktivistin – lebendig, entschlossen. Novana fühlt sich zu ihr hingezogen, und etwas, das längst verloren schien, kehrt in ihr Leben zurück: die Möglichkeit von Nähe.
Eindringlich und radikal klar erzählt Leh-Wei Liao von widerständigen Frauen, von Begehren und Verletzungen und der unsicheren Zukunft Taiwans – und stellt die Frage, wofür es sich zu kämpfen lohnt.
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Novana ist Kinderärztin auf einer Neugeborenen-Intensivstation in Taipei. Dort kümmert sie sich um Frühgeborene, die in Inkubatoren liegen und nicht selbstständig atmen können. Als Kind wurde Novana von ihrer alleinerziehenden Mutter verlassen, und sie hat früh gelernt, Extremsituationen mit Distanz zu begegnen. In der Klinik ist das eine Stärke. Wir lernen sie kennen, als große Lebensentscheidungen bereits hinter ihr liegen: die Trennung von ihrem langjährigen Partner und das Verlassen Deutschlands.
Der Roman beginnt mit einem Schockmoment: Nach achtzehn Jahren ohne Kontakt erkennt Novana ihre Mutter, die Künstlerin ist, plötzlich auf einem Werbedisplay wieder.
Beim Erzählen geht es mir in erster Linie um meine Figuren. Gleichzeitig glaube ich nicht, dass sich Literatur nahtlos vom Politischen trennen lässt. Novanas Liebesbeziehung mit der Aktivistin Sihan ist persönlich und politisch zugleich. Sihan kämpft für Taiwans Demokratie, und dieser Kampf bestimmt, wie und ob die beiden zusammen sein können. Taiwan habe ich bewusst als Setting gewählt. Der Konflikt um die taiwanische Souveränität ist akut. Ich finde es wichtig, dass dieses Land nicht vergessen wird. Und dann ist da noch die Künstlerin March, Novanas Mutter. March verlässt ihr Kind und macht diesen Akt des Verlassens zum Gegenstand ihrer Kunst. Auch das ist politisch, auf eine subtilere Weise.
Eine große Klammer des Romans ist das Sehen und Gesehenwerden. Gesehen zu werden, bedeutet zu existieren, und ist eine Voraussetzung fürs Überleben. Das gilt für Taiwan, das international systematisch übersehen wird, aber auch für die Frühchen auf der Intensivstation, die grundlegend auf die Zuwendung anderer angewiesen sind. Und es gilt für Novana, die als Kind ein fundamentales Unsichtbarwerden erlebt hat, und in der Liebesbeziehung mit Sihan eine neue Chance erhält, wirklich gesehen zu werden.
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