Einleitung aus dem Handbuch von Valentin Rostow, Moskau 1880
Der Zug selbst ist ein Wunder seiner Zeit, ein Beweis für den Erfindungsreichtum des Menschen und sein unablässiges Streben nach Herrschaft über die Erde. Zwanzig Wagen lang und so hoch wie das Portal der St.-Andrei-Kathedrale, mit Türmen an beiden Enden; eine gepanzerte Festung, unterwegs auf jener mächtigen Schienenstraße – ihrerseits ein Wunder der Ingenieurskunst –, die es uns wieder ermöglicht, diese fast unvorstellbaren Entfernungen zu durchmessen. Der Transsibirien-Kompanie ist gelungen, woran so viele andere gescheitert sind. Sie hat ein Projekt verwirklicht, das von derart unwägbaren Gefahren bedroht war, dass selbst die größten Ingenieure des Landes schworen, es sei nicht machbar: Land zu durchqueren, das sich seit dem Ende des letzten Jahrhunderts gegen seine Bewohner gewendet hat; es mit einer Fremdartigkeit aufzunehmen, die zu beschreiben uns die Worte fehlen; eine Eisenbahnverbindung zu bauen, die uns sicher durch diese bedrohlichen Weiten bringt.
Der vorsichtige Reisende mag allein bei der Erwähnung des Großsibirischen Ödlands zurückschrecken, eines so weiten, unwirtlichen Gebiets, um das sich zahllose Geschichten ranken, die allem widersprechen, was wir als gut und anständig und menschlich empfinden. Doch der Autor hat es sich in aller Bescheidenheit zum Ziel gesetzt, den Reisenden an die Hand zu nehmen und ihm als treuer Gefährte zur Seite zu stehen. Und wenn ich bisweilen selbst zu zaudern scheine, so deshalb, weil ich von meiner Wesensart ebenfalls vorsichtig bin und weil es während meiner Reise Augenblicke gab, da die Gräuel dort draußen mich zu überwältigen drohten und die Vernunft angesichts des Unbegreiflichen ins Wanken geriet.
Es ist besser, in Bewegung zu sein, sagen die Zugleute. Gut, dass das Warten ein Ende hat. Und diesmal war das Warten sehr lang. Zehn Monate erzwungener Stillstand.
Zhang Weiwei, sechzehn Jahre alt, steht am Fenster des kleinen Vorraums, der zum Arbeitsbereich des Zuges führt. Hier, im vorderen Teil des Zuges – dem Quartier der Crew, dem Gartenwagen, dem Lager – haben Passagiere keinen Zutritt; nur die Porter und Stewards eilen vorbei, zu beschäftigt, um sie zu beachten. Sie sieht zu, wie das Steingebäude des Bahnhofs hinter ihnen verschwindet ...
Zu früh. Zu früh, um die Fahrt wieder anzutreten.
Doch nun, da sie wieder in Bewegung sind, vibriert die Luft vor Anspannung. Sie hat das Geflüster der Crew gehört. Zu früh. Zu früh, um die Fahrt wieder anzutreten. Warum nicht bis zum Winter warten, wenn das Land träge von der Kälte ist und die Gefahr sich nicht zwischen den Bäumen verstecken kann? Im Sommer ist das Land wach, hungrig. Es ist zu früh, um das Risiko einzugehen.
Nicht für sie. Ihr kann es gar nicht früh genug sein. Aber sie liebt das Risiko ja auch zu sehr, wie Alexei immer sagt.