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Rezensionen zu
Beklaute Frauen

Leonie Schöler

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Wertvolle Lektüre (4,5 Sterne)

Von: BiblioJess

10.04.2024

Die meisten großen Entdeckungen, Erfindungen und Entwicklungen der Vergangenheit verbinden wir mit Männern. Dabei ist es nicht so, als wären Frauen untätig gewesen – ihr Einfluss wird nur seit jeher aus der Geschichte radiert oder mit Begriffen wie »Sekretärin«, »Ehefrau von ...« etc. abgetan. Diesen Frauen – Wissenschaftlerinnen, Autorinnen, Kämpferinnen, Künstlerinnen – wird hiermit die Aufmerksamkeit geschenkt, die sie von Anfang an verdient hätten. — »Hinter jedem erfolgreichen Mann steht ein System, das ihn bestärkt; vor allen anderen steht ein System, das sie aufhält.« Mit diesem Satz hab ich gleich schon im Klappentext von »Beklaute Frauen« eine Aussage bekommen, die sich in meinem Kopf festgesetzt hat. Generell gab es so einige Passagen in dem Buch, die mich zum Nachdenken gebracht haben. Die mir auch nochmal vor Augen geführt haben, wie begrenzt mein Horizont, meine Wahrnehmung eigentlich ist, obwohl ich das zu vermeiden versuche. Dabei hebt das Buch aber nicht den belehrenden Finger hoch, sondern klärt lediglich auf. Ich finde es gut und richtig, wie viele verschiedene Bereiche dabei aufgemacht werden. Es geht um Revolutionen, den Kampf um Rechte und um Krieg, um Physik und generell Naturwissenschaften sowie Nobelpreise, um Kunst, um die Ehe an sich, um Bildung, um Autor*innenschaft, … denn in jedem dieser Bereiche gibt es genug zum Thema zu sagen. Dabei bezieht sich Leonie Schöler auch immer wieder auf unsere heutige Zeit, vergleicht und verbindet mit der aktuellen Situation; und die letzten Kapitel zu z. B. Bildung oder Algorithmen setzen sich ganz explizit mit der Welt auseinander, in der wir in diesem Augenblick leben. Außerdem spricht sie das Thema weißer Feminismus, und wieso der problematisch ist, an. Ebenso das Phänomen, dass und wie heutzutage einige Frauen "wiederentdeckt" werden. So gibt »Beklaute Frauen« ein wirklich gutes Rundumpaket, was ich unbedingt positiv hervorheben möchte. Es ist ein Gesamtbild ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Außerdem findet die Autorin eine gute Balance zwischen dem Bericht von einzelnen Frauen (und ihrem Leben im Speziellen) und dem großen Ganzen. Die meisten Kapitel haben jeweils eine Frau im Fokus, wie zum Beispiel Mileva Marić oder Rosalind Franklin. Trotzdem gibt es auch breite Überblicke, und trotzdem wird immer wieder klargemacht, dass das keine 'Einzelschicksale' sind, auch wenn hier eben nur ausgewählte Frauen genannt werden (können). Das ganze hat System und das wird in dem Buch auch immer wieder herausgearbeitet. Diese ganze Mischung aus verschiedenen Oberbereichen, verschiedenen Frauen, verschiedenen Herangehensweisen hat mir extrem gut gefallen an dem Buch. Man darf beim Lesen allerdings nicht vergessen, dass es immer noch ein Geschichtsbuch und die Autorin Historikerin ist. Das merkt man und das darf man auch merken; aber trotzdem hab ich mich (nach dem eingängigen Prolog) etwas schwer getan, ins Buch reinzufinden. Es geht mit dem Thema Revolutionen los, und dort wurden erstmal viele Zusammenhänge erklärt, die für mich zunächst etwas trocken wirkten. Die aber natürlich trotzdem wichtig sind. Generell gibt die Autorin auch immer einen Grundriss über die Situation, in der sich die »Protagonist*innen« des Kapitels befinden, damit man das ganze einordnen kann. Das ist nämlich unerlässlich, um die Zusammenhänge zu verstehen und die Gegebenheiten nachvollziehen zu können. Trotzdem liest es sich dadurch nicht gerade locker runter – wobei schon hier und da auch mal Alltagssprache und -Formulierungen auftauchen, und Leonie Schöler stets so schreibt, dass man es auch versteht, wenn man nicht im Thema ist. Das ist ihr gelungen. Ich habe mit diesem Buch einige Frauen neu kennengelernt, von denen ich hoffe, dass sie mir im Gedächtnis bleiben. Und ich hab auf jeden Fall wieder einiges daraus mitnehmen können. Es ist ein Geschichtsbuch, das nicht als lockere Abendlektüre funktioniert (was es auch gar nicht soll), aber meiner Meinung nach unbedingt gelesen werden sollte, weil ich es inhaltlich extrem wichtig finde und es wirklich gut gemacht ist. Ich bin froh, es gelesen zu haben und empfehle es auf jeden Fall weiter. 4,5 ⭐️

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Rezension auf meinem Instagram Account

Von: madamebiscuit15

08.04.2024

„Jede beklaute Frau ist kein Einzelfall, sondern Teil eines Systems, das uns alle betrifft und bis heute wirkt.“ S. 319   Und damit ist bereits alles gesagt! Alles, was Ihr wissen müsst. Nicht über dieses großartige Buch, aber über unsere Vergangenheit, unsere Gegenwart und wohl auch über unsere Zukunft. Dieses Sachbuch von Leonie Schöler ist ein absoluter Gewinn für jede lesende Person. Für mich war es nicht das erste Werk aus diesem Bereich, aber auch ich hab noch viel Neues erfahren. Es ist umfassend recherchiert und in einer locker-leichten Sprache geschrieben. Dadurch liest es sich nicht wie ein trockenes Lehrbuch, sondern nahm mich sofort mit in die Materie. Die Autorin schildert die Lebensläufe von den unterschiedlichsten Frauen unserer europäischen Vergangenheit. Egal, ob Forscherinnen, Soldatinnen oder auch Schriftstellerinnen. Sie veranschaulicht unter anderem anhand von Themen wie Ehe, Algorithmen und weißem Feminismus, warum wir von ganz vielen Frauen heute nichts wissen, oder sie wieder „vergessen“ wurden. Dabei setzt sie diese Fakten stimmig in den Kontext mit der notwendigen Gesellschaftskritik und lässt spielend passende Fachbegriffe miteinfließen. Zusätzlich positiv hervorheben möchte ich, dass Leonie Schöler sich dabei nicht nur auf Frauen bezieht, sondern auch klar herausstellt, dass es alle marginalisierten Personengruppen betrifft. Denn „Das Narrativ bleibt […] dasselbe: In Europa deuten wir die Welt im Schulunterricht an erster Stelle aus einer weißen, männlichen, cis-heterosexuellen, christlichen und westlichen Sichtweise und schauen uns dann an, wer davon abweicht.“ S. 288 Und damit bringt sie ein gravierendes Problem auf den Punkt. Erst wenn wir in unserer Sozialisation von klein auf etwas ändern und allen Personengruppen ihren Platz in unserer Welt zugestehen, werden wir allen gerecht werden können.   Am liebsten würde ich an dieser Stelle noch ganz viele Zitate schreiben, aber noch besser ist, Ihr lest dieses Buch ganz schnell selbst.   Definitiv ein Sachbuchhighlight für mich.

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„Beklaute Frauen: Denkerinnen, Forscherinnen, Pionierinnen: Die unsichtbaren Heldinnen der Geschichte“ von Leonie Schöler ist ein Sachbuch, dass in Vergessenheit geratene Frauen in den Vordergrund rückt und zeigt, welchen wichtigen Beitrag Frauen in vielen unterschiedlichen Bereichen geleistet haben. Erschienen ist das Buch im Februar 2024 im Penguin Verlag. Frauen und ihr Einfluss auf unsere Gesellschaft und Geschichte wurden immer wieder unsichtbar gemacht und sind so in Vergessenheit geraten. Dabei gibt es viele beeindruckende Beispiele: Wissenschaftlerinnen deren Anteil an wichtigen Errungenschaften nicht anerkannt wurde. Autorinnen, die ihre Werke unter einem männlichen Pseudonym veröffentlicht haben. Oder Künstlerinnen, bei denen die Werke ihrer Ehemänner präsent blieben, während die Kunst der Ehefrauen zunehmend verschwand. Die Historikerin Leonie Schöler wagt sich hier in viele Bereiche und zeigt wie Frauen entscheidend unsere Gesellschaft mitgeprägt haben und dennoch kaum Beachtung erhalten. Dabei wird deutlich, dass es heute wichtiger denn je ist, über Teilhabe und Sichtbarkeit zu sprechen und das nicht nur im Falle von Frauen, sondern auch bei anderen marginalisierten Gruppen. In meinem Lesealltag spielen Sachbücher mittlerweile eine wichtige Rolle. Die Bundeszentrale für politische Bildung hat mir den Einstieg mit seinen günstigen Angeboten leicht gemacht und ich wage mich nun auch an andere Themen ran, die mich interessieren. Dieses Buch ist glaube ich tatsächlich das erste feministische Sachbuch, dass ich gelesen habe und es hat mich insbesondere auch wegen der historischen Komponente sehr angesprochen. In sechs Kapiteln behandelt Leonie Schöler unterschiedliche Themen und führt uns so von der französichen Revolution bis in die Neuzeit. Dabei habe ich viel Neues erfahren und über viele Frauen gelesen, die Großartiges geleistet haben, sei es als Gruppe oder als Einzelperson. Beschämt musste ich feststellen, dass ich von Vielem bisher nichts wusste und auch ich sehr von den patriacharchischen Strukturen beeinflusst bin und sich das auch in meinem Denken wiederspiegelt. Ich denke, hier wurde ein wichtiger Anstoß gegeben, um das mehr zu hinterfragen und diese Strukturen aufzubrechen. Mich hat Einiges beim Lesen sehr wütend gemacht. Da wurden Veränderungen angestoßen und dann wieder zurückgedreht. Da wurden Frauen wirklich sehr dreist um ihre Anerkennung betrogen oder sie mussten mehrere Rollen gleichzeitig erfüllen. Ich fand es sehr spannend von all diesen Phänomenen zu lesen, die Frauen betreffen und so ihr Leben entscheidend beeinflussen. Vorangig geht es in diesem Buch um Frauen, Leonie Schöler hat aber auch auf andere marginalisierte Gruppen aufmerksam gemacht und aufgezeigt, dass verschiedene Themen miteinander verbunden sind. So geht es hier nicht nur um Feminismus, sondern u.a. auch um Rassismus, Ableismus und Intersektionalität. Das Buch hat mir dabei geholfen, einiger dieser Begriffe besser zu verstehen. Sehr gut gefallen hat mir, dass die Autorin schon zu Beginn sehr klar benennt, wo ihre Expertise liegt und dass sie auf die Literaturempfehlungen am Ende des Buches verweist. Diese Liste werde ich mir sehr genau anschauen und bin sehr gespannt, welche neuen Blickwinkel mir diese Bücher eröffnen werden. Vor manchen Kapiteln gibt es Inhaltswarnungen, die mir gut gefallen haben. Ich habe einen Eindruck gewonnen, was auf den darauffolgenden Seiten thematisiert wird und konnte entscheiden, ob ich mich in dem Moment damit beschäftigen möchte oder dafür einen anderen Zeitpunkt wähle, an dem ich mehr Ruhe und den nötigen Freiraum dafür habe. Fazit: Von Anfang bis Ende ein gelungenes und sehr spannendes Sachbuch, das gut verständlich geschrieben ist. Mich hat das Buch sehr zum Nachdenken gebracht und einen guten Einstieg für weitere Bücher zu diesem Themenkomplex geschaffen. Für mich ganz klar ein Buch, dass ich allen empfehlen würde.

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„Hinter jedem erfolgreichen Mann steht ein System, das ihn bestärkt; vor allen anderen steht ein System, das sie aufhält.“ Schon gewusst, dass Bertold Brecht seine Texte bzw. Stücke nicht allein geschrieben hat? Oder dass Einsteins Ehefrau an seinen Theorien mitgewirkt hat? Dass die „Entdecker“ der DNA als Doppelhelix die Ergebnisse von einer Frau gestohlen und dann als die ihren verkauft haben? Ich war beim Lesen dieses Buches sehr überrascht und auch sehr wütend. Als ich durch war, habe ich mich gefragt, ob wohl irgendein Mann seinen Erfolg allein sich selbst zu verdanken hat. Dass ist sehr überspitzt formuliert, aber wer das Buch auch gelesen hat, wird mich vielleicht verstehen können. Die Frauen, über die Leonie Schöler hier berichtet, haben so viel Besseres verdient, als (wenn überhaupt) eine schlichte Randnotiz in der Zeitgeschichte zu sein. Das gilt für Wissenschaftlerinnen, Künstlerinnen und Ehefrauen von bekannten Männern gleichermaßen. Es macht wütend zu sehen, wie Frauen systematisch ihre Erfolge aberkannt oder gar gestohlen bekommen. Das Buch ist sehr schön gestaltet, gut gefallen haben mir die Abbildungen und die Infokästen und die Erläuterungen zur verwendeten Sprache bzw. Begriffen. Die Kapitel sind gut eingeteilt und vermischen theoretische Fakten mit Beispielen aus dem echten Leben. Die Schicksale der Frauen sind sehr bewegend und mitreißend, weil man sich so sehr Gerechtigkeit für sie wünscht. Mein einziger kleiner Kritikpunkt ist die „Stimme“ der Autorin, die mir für ein Sachbuch manchmal ein wenig zu deutlich hervorgestochen ist. Sie war fast schon bissig, was der Thematik nach auf jeden Fall nachvollziehbar ist, ich für ein Sachbuch aber nicht unbedingt angebracht fand. Ansonsten möchte ich das Buch gerne weiterempfehlen, weil es wichtig ist zu wissen, dass diese „Beklauten Frauen“ existiert und mehr Anerkennung verdient haben! 4,25/5 Sternen

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»Alles, was im Internet gepostet wird, nutzen Algorithmen zum Lernen«, also geben wir ihnen Futter! (Leonie Schöler erklärt euch in Kapitel 6 gleich mehr dazu) Dass Frauen gerne klein gehalten werden ist ja nicht neu und viele von uns haben bestimmt schon einmal davon gehört, dass ein Mann/Männer die Lorbeeren für die Arbeit einer Frau eingesteckt haben. Leonie Schöler hat sich die Mühe gemacht und einige unglaubliche Frauen ins Rampenlicht gerückt, die zu Unrecht von ihren männlichen Kollegen in die Ecke gedrängt wurden. Ich meine, kennt ihr Lise Meitner oder Jocelyn Bell Burnell? Wisst ihr, dass sie eigentlich einen Nobelpreis verdient hätten, dass der Auger-Effekt eigentlich ein Meitner-Effekt sein sollte? Kennt ihr schon den Matilda-Effekt? Es wird euch so wütend machen, dieses Buch zu lesen und mehr über die beklauten Frauen zu erfahren! Ob Picasso oder Karl Marx - wer nicht eh schon andere Größen bewundert, wird diese jetzt sicher austauschen. Schöler erzählt von Einzelschicksalen, klärt über systemische Ungerechtigkeit auf und kommentiert klug, aber immer verständlich, welcher Mist schon ertragen werden musste. Ihr Blickfeld beschränkt sich dabei aber keinesfalls nur auf Frauen, denn bekanntermaßen ist Diskriminierung mehrdimensional und betrifft auch andere Gruppen! »Hinter jedem erfolgreichen Mann steht ein System, das ihn bestärkt; vor allen anderen steht ein System, das sie aufhält.« Ich kann euch diesen Titel sehr empfehlen und zwar sowohl Anfänger*innen als auch Fortgeschrittenen auf dem Themengebiet Feminismus. Euch wird nicht langweilig werden!

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Dass Frauen bis heute leider weniger sichtbar sind als Männer, dass sie oftmals weniger Anerkennung bekommen und härter arbeiten müssen, um eine hohe Position zu erreichen – das wissen wir und das ist traurig genug. Weil es zeigt, dass wir im Jahr 2024 immer noch weit von einer Gleichstellung der Geschlechter entfernt sind. Dass Frauen aber bis heute nicht einfach „nur“ unsichtbar sind, sondern bis in die jüngste Vergangenheit hinein immer wieder um ihre Erfolge, ihre Stimme und ihre Kunst gebracht wurden – genau das zeigt Leonie Schöler (heyleonie) sehr eindrucksvoll in ihrem Buch „Beklaute Frauen“. Und eines kann ich verraten: Der Titel ist Programm! Denn in insgesamt sechs großen Kapiteln mit unterschiedlichen Themenschwerpunkten geht es, um es vereinfacht auszudrücken, um den Diebstahl von Männern an Frauen. Oder komplizierter: Um den Betrug eines von Männern gemachten und auf den Erfolg von Männern abzielenden Systems an Frauen. Leonie Schöler beschränkt sich dabei auf die jüngere Geschichte (ab dem 19. Jh.) in Europa – denn andernfalls würde sie das Buch wahrscheinlich noch lange nicht beendet haben, so viele Seiten könnte man mit der systemischen Benachteiligung von Frauen überall auf der Welt füllen. Reich an beeindruckenden und zugleich schockierenden Biografien ist „Beklaute Frauen“ trotzdem. Wir lernen Frauen kennen, die essenzielle Beiträge in der Wissenschaft geleistet, die Revolutionen und Kriege wesentlich mitgetragen haben, die großen Anteil haben an dem Erfolg bis heute berühmter Männer und die großartige Kunst und Literatur geschaffen haben – und doch unsichtbar blieben, übergangen oder schlichtweg vergessen wurden. So erfährt man vieles über die jüngere Geschichte von Frauen, aber auch über so „geniale“ Köpfe wie Karl Marx, Albert Einstein, Bertolt Brecht und Pablo Picasso. Ich kann sagen: Das macht absolut nicht immer Spaß. Im Gegenteil: Wut im Bauch garantiert! Aber es sind so wichtige Biografien so großer Frauen wie Rosalind Franklin, Mileva Maric, Lise Meitner, Jocelyn Bell Burnell und Noor Inayat Khan, um nur einige zu nennen, die man unbedingt kennen sollte. Schöler konzentriert sich dabei aber nicht vorrangig auf Einzelschicksale, auch wenn uns im Buch viele begegnen, sondern schaut sich genau an, in welchen Bereichen Frauen in der Vergangenheit beklaut, diffamiert und übergangen wurden (Spoiler: eigentlich in allen) und spürt dabei einem System nach, das uns bis heute im Klammergriff hält. Sie schreibt dabei sehr gut verständlich und trotzdem wissenschaftlich fundiert und man merkt man dem Buch an, dass es hervorragend recherchiert und glänzend strukturiert wurde. Infokästen mit Hintergrundinformationen und zahlreiche Abbildungen ergänzen den sehr gehaltvollen und trotzdem gut verständlichen Text – was „Beklaute Frauen“ zu einem der besten Sachbücher macht, die ich in den letzten Jahren gelesen habe. Und sicherlich zu einem der wichtigsten: Denn nur, wenn wir uns bewusst machen, wie systematisch Frauen, BIPOC und Menschen aus der LGBTQIA+-Community jahrhunderte-, jartausendelang marginalisiert, verfolgt und teils sogar getötet wurden, können wir es in Zukunft besser machen. Ich sage deshalb: Lest dieses Buch, unbedingt!

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An einer Stelle im Buch fragt die Autorin, ob man 10 Wissenschaftlerinnen nennen könnte. Ich kam nach längerem Nachdenken auf 6, bei männlichen Wissenschaftlern wären es mehr gewesen, viel mehr. Bei Künstlerinnen und Künstlern sah das Ergebnis noch viel schlechter aus, bei Schriftstellerinnen viel besser, auch bei denen, die zu ihrer Zeit unter einem männlichen Pseudonym schreiben mussten, weil ihre oft gesellschaftskritischen Romane wohl nicht gelesen worden wären. Nur woran liegt es, das Frauen nicht so präsent in der Geschichte sind, wie es ihnen eigentlich gebührt? »Das liegt daran, dass Frauen schon seit der Steinzeit für die Kinderpflege und die Versorgung der Männer, die auf die Jagt gingen und die Sippe beschützen, zuständig waren, sie waren ja nur dafür geeignet.« »Es gab halt nicht soviel bedeutende Wissenschaftlerinnen, Künstlerinnen, Kämpferinnen, Schriftstellerinnen...« Diese Antwort kommt bei vielen noch wie aus der Pistole geschossen, wenn man sie fragt. Das ist natürlich absoluter Quatsch, schon in der Steinzeit wurde jeder nach seinen Fähigkeiten eingesetzt, denn nur zusammen konnte die Sippe überleben. Irgendwann allerdings wurde aus »Jeder nach seinen Fähigkeiten« »Männer an die Macht, Frauen an den Herd.« Und das dauert bis heute an. Leonie Schöler führt uns in ihrem Buch durch die Geschichte, der Menschheit, in der Einleitung schreibt sie das bei archäologischen Grabungen die Bestatteten nach ihren Grabbeigaben zugeordnet wurden. Waffen = Mann Schmuck = Frau Nur wurde genau das mit neuen wissenschaftlichen Methoden widerlegt und es stellte sich heraus das 30–50 % der untersuchten Skelette biologische Frauen waren. Wir müssen also unser Weltbild von Beginn an revidieren. Ich könnte euch noch seitenweise über die einzelnen Abschnitte erzählen, mich hat ehrlicherweise am meisten der Abschnitt »Noch nie gehört. Frauen hinter männlichen Pseudonymen« interessiert. Vor längerer Zeit habe ich viele Science-Fiction-Romane gelesen und auch wenn mir die Namen nicht mehr in Erinnerung geblieben sind, hatte ich die feste Meinung »Frauen können das nicht schreiben«. Weil die zwei Bücher, die offensichtlich nicht von Männern geschrieben waren, nicht meinem persönlichen Geschmack entsprachen. Was ich damals nicht wusste, auch viele der Bücher, die ich großartig fand, waren von Frauen, nur stand auf dem Buchdeckel ein männliches oder geschlechtsneutrales Pseudonym. Heute weiß ich, dass Frauen großartiges zu Papier bringen, egal in welchem Genre. So können Vorurteile entstehen. Ich habe das Buch von Leonie Schöler innerhalb kürzester Zeit durchgelesen, manches zieht sich ein bisschen, aber zu 98 % hat mich sowohl ihr Schreibstil, der mal humorvoll und mal sehr ernst ist, als natürlich auch der Inhalt begeistert. Sie zeigt auf, wie Frauen systematisch unsichtbar gemacht wurden, schlimmer noch wie sie gedemütigt und verleugnet wurden, von Kollegen und oft auch von ihren eigenen Ehemännern. Dieses Buch lässt mich mit einem neuen Blick auf die Geschichte zurück wie ich sie in der Schule gelernt habe. Einstein ist der Erfinder der Relativitätstheorie, von der Arbeit seiner 1. Frau Mileva Marić, die wohl einen großen Anteil an seinem Erfolg hatte, ist wenig bekannt. Ach ja und Jeanne d`Arc war ein Mann. Das behauptete zumindest der deutsche Historiker Walter Rost im Jahr 1983, als ich dieses Kapitel las, wusste ich nicht, ob ich lachen oder weinen sollte. Von mir gibt es auf jeden Fall eine klare Leseempfehlung.

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Die Autorin beleuchtet in ihrem Sachbuch "Beklaute Frauen" die Schatten, in denen die Namen von Frauen verschwanden, während Männer die Lorbeeren für die Arbeit der Frauen ernteten. Unter anderem waren mir Namen wie Mileva Marić, Lise Meitner, Clara Immerwahr, Marie-Thérèse Walter oder May Ayim... bis dato unbekannt. Leonie Schöler ordnet die Geschichten der Frauen in den jeweiligen historischen Kontext ein, holt sie dabei immer in die Gegenwart und liefert dadurch Argumente für aktuelle feministische Debatten. Das Buch hat mich nachdenklich gestimmt. Auch wenn ich mich nicht besonders viel mit feministischen Themen auseinandersetze, hat mich das Buch für die Relevanz dieser Themen in der jetzigen Zeit sensibilisiert. Für mich definitiv eines meiner Highlights für dieses Jahr.

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