Der Auftakt der großen Bestsellerserie aus Schweden
Ein Mord im Schnee. Vier ermittelnde Frauen. Ein Blick in düstere Abgründe.
Stockholm, Silvester 1895/96: In der klirrenden Kälte der Neujahrsnacht entdeckt die junge Näherin Hildur die Leiche einer Frau im Hinterhof ihres Mietshauses – neben ihr ein toter Fötus. Die Tote ist Emma Josefina, gerade einmal 16 Jahre alt und Dienstmädchen im Haushalt des angesehenen Bauherrn Johan Henrik Creutz.
Hildur kann das grausame Bild der jungen Toten nicht vergessen. Gemeinsam mit drei Mitbewohnerinnen – der wohlhabenden Witwe Olga, deren Dienstmädchen Edit und der scharfsinnigen Vollwaise Fredrika – beginnt sie, Fragen zu stellen, die niemand hören will. Was die vier Frauen aufdecken, ist mehr als ein Verbrechen: Es ist ein Blick in die dunklen Abgründe einer Gesellschaft, in der Frauen kaum mehr als Besitz sind.
Ein atmosphärischer historischer Kriminalroman über Mut, Solidarität und die Suche nach Gerechtigkeit – mitten im Schweden des 19. Jahrhunderts.
Die Kriminaljournalistin Katarina Wennstam gehört zu den meistgelesenen Autorinnen Schwedens. Ihre Bestseller-Krimiserie um vier ungleiche Frauen wurde mehrfach ausgezeichnet und von der Presse gefeiert:
»Wennstams Darstellung von Frauen ist schlichtweg genial.« Smålandsposten
»Aufrüttelnd, äußerst unterhaltsam und mit klaren feministischen Untertönen – lebendige Frauen verzeihen ebenfalls nicht!« Alingsås Tidning
»Katarina Wennstam hat gründlich recherchiert und viele Details über die Lebensumstände von Frauen jener Zeit eingewoben.« Dagens Nyheter
Katarina Wennstam, 1973 in Göteborg geboren, gehört zu den meistgelesenen Autorinnen Schwedens und hat als Kriminaljournalistin beim öffentlich-rechtlichen Fernsehen gearbeitet. Als prominente Stimme in der schwedischen Debatte um Frauenrechte war sie maßgeblich an mehreren wichtigen Gesetzesänderungen beteiligt.
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Fragen an die Autorin Katarina Wennstam
1
Was hat Sie zu Ihrer historischen Kriminalromanreihe inspiriert?
Das Haus, in dem ich lebe, wurde 1890 gebaut. Seit meinem Einzug wollte ich mehr über die Menschen erfahren, die damals hier wohnten – besonders über die Frauen. Als ich in den Archiven zu recherchieren begann, wurde mir klar, dass das Material für eine ganze Buchreihe reicht.
2
Sie haben viele Jahre als Kriminalreporterin gearbeitet; inwiefern sind Ihre Erfahrungen mit eingeflossen?
Seit 25 Jahren kämpfe ich gegen Gewaltverbrechen an Frauen. Selbst in unserer modernen Gesellschaft existieren immer noch Vorurteile und überholte Vorstellungen über die Rechte von Frauen. Die Idee, eine historische Krimireihe in einer Zeit anzusiedeln, in der die Rechte von Frauen extrem eingeschränkt waren, hat mich fasziniert. Ich wollte verstehen, was es wirklich bedeutet, wenn man weder wählen noch über den eigenen Körper, die Ausbildung, die Finanzen bestimmen darf.
3
Warum fiel Ihre Wahl auf das Krimigenre?
Verbrechen spiegeln die Haltung einer Gesellschaft wider. Im Stockholm des späten 19. Jahrhunderts waren rund fünfzig Prozent der inhaftierten Frauen wegen Abtreibung oder Kindstötung verurteilt. Das zeigt die Verzweiflung unverheirateter Schwangerer – und dass die Männer, die sie schwängerten, keinerlei Konsequenzen zu tragen hatten.
4
Wie haben Sie sich dem Stoff genähert?
Ich bin vollständig in das Stockholm der Jahrhundertwende eingetaucht – von den Lebensumständen prostituierter Frauen über die Pickelhauben der Polizei bis hin zur Frage, wie eng ein Korsett tatsächlich geschnürt wurde. Meine Kinder mussten mich oft daran erinnern, zu essen oder zu schlafen, so vertieft war ich in diese Welt.
5
Gab es historische Fälle, die Ihre Bücher direkt inspiriert haben?
Fast alles, worüber ich schreibe, hat einen realen Kern. Ich habe unzählige Gerichtsakten, Totenscheine, Briefe und Zeitungsartikel gesichtet. Oft genügte eine kleine Notiz – etwa der Hinweis, dass eine 23‑jährige Frau 1896 an einer Phosphorvergiftung starb –, um die Realität illegaler Abtreibungen sichtbar zu machen. Das war die Initialzündung für mein erstes Buch Tote Frauen verzeihen nicht.
6
Warum war Ihnen die Vielfalt weiblicher Lebensrealitäten wichtig?
Ich stellte fest, dass Frauen verschiedener Klassen damals tatsächlich miteinander in Kontakt kamen. Viele bürgerliche Frauen unterstützten Arbeiterinnen, boten Räume zum Lernen, für Vorträge oder Handarbeiten an. Diese Begegnungen waren nicht konfliktfrei, aber sie fanden statt.
7
Was würden Sie ihren Figuren sagen, wenn Sie könnten?
Danke. Für alles, was ihr für die kommenden Generationen von Mädchen und Frauen getan habt.
8
Gibt es eine Figur, mit der Sie sich besonders identifizieren?
Olga Laurell ist – wie ich – fast fünfzig, als die Geschichte beginnt, und als Witwe unabhängiger als viele andere Frauen. Gleichzeitig gilt sie als alt und verbraucht, was sie nicht ist. Und in Fredrika Nilsdotter steckt viel von meinem eigenen Wunsch, mehr vom Leben zu wollen und einen Weg zu finden, der zunächst unmöglich erscheint.
9
Was hat Ihnen beim Schreiben am meisten Freude bereitet?
Eigentlich alles. Ich lebe und atme diese faszinierende Epoche – und es gibt wohl keine Straßenecke, an der ich nicht mit einem alten Schwarz‑Weiß‑Foto stand, um sie mit heute zu vergleichen.
10
Was war die größte Herausforderung?
Die steife, höfliche Sprache der Zeit mit einer lebendigen, gut lesbaren Dialogführung zu verbinden. Es war eine Epoche lange vor der Du‑Reform, und doch liegt etwas Schönes in dieser formellen Höflichkeit.
11
Warum, glauben Sie, sprechen Ihre historischen Krimis heute so viele Menschen an?
Einblicke in den Alltag historischer Frauen und der weibliche Blick auf große Ereignisse wurden . Viele Leserinnen erzählen mir von ihren eigenen Vorfahrinnen – Frauen, die verstoßen wurden oder bei illegalen Abtreibungen starben. Wir alle haben solche Geschichten in unseren Familien.
12
Sehen Sie Parallelen zwischen der damaligen Zeit und heute?
Ja. Frauen, die protestieren oder ihre Rechte einfordern, hören noch immer, sie seien zu emotional oder hysterisch. Ein Blick auf die Gegenwart zeigt deutlich, dass das Problem nicht Frauen sind, sondern mächtige Männer, die zu emotional reagieren.