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Rezensionen zu
Die Frauen der Familie Carbonaro

Mario Giordano

Die Carbonaro-Saga (2)

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Eine literarische Reise...

Von: an_der_see

16.04.2024

Es gibt etwas beim Lesen, das ich nicht mag, dass ich sogar als einen großen Nachteil bezeichnen würde. Die Endgültigkeit eines Romanendes, die Tatsache, dass ich liebgewonnene Menschen wieder verlassen muss. Klar, ich kann gedanklich bei ihnen bleiben, mir ausdenken, wie es in ihrem Leben weitergeht, aber es ist nicht das Gleiche, als wenn ich das jeweilige Buch weiter lesen würde. Bei „Die Frauen der Familie Carbonaro“ von Mario Giordano, habe ich diesen Nachteil wieder einmal erlebt, das Buch war plötzlich zu Ende und ich musste Pina, Anna, Maria und all die Anderen ziehen lassen, wozu ich nicht bereit war und es auch jetzt ein paar Tage später noch immer nicht bin. Ich mag Geschichten, die sich über einen langen Zeitraum entwickeln, wenn verschiedene geschichtliche Ereignisse mit hinein spielen, wenn die Generationen ineinander übergehen, wenn die verschiedensten Personen Zeit und Raum bekommen, sich zu entwickeln. In „Die Frauen der Familie Carbonaro“ durfte ich alles das und noch sehr viel mehr erlesen. Ihre Geschichte beginnt mit Pina 1896 und endet mit Maria 1972, fast ein ganzes Jahrhundert Carbonaros. Von Sizilien Ende des vorletzten Jahrhunderts, über Deutschland im letzten Jahrhundert und wieder zurück nach Sizilien. Die Frauen haben Träume, Wünsche und Sehnsüchte, wachsen jedoch in einem strengen patriarchischen Gefüge auf, in dem es ihnen schwer bis unmöglich gemacht wird, nach ihren Vorstellungen zu leben und doch versuchen sie Schlupfwinkel zu finden, durch die sie hindurch und zu sich finden können. Pina wächst unter der Herrschaft ihres Vaters auf, in dessen Welt Frauen keine Rechte haben, von den Männern nach Lust und Laune benutzt und weggeschmissen werden können. Anna heiratet Nino, einen Sohn Pinas und bekommt mit ihm Maria. Anna möchte singen und sie möchte, dass ihre Kinder, besonders ihre Töchter all das werden und leben können, was sie möchten und geht mit ihnen und ihrem Mann für Jahrzehnte nach Deutschland, wo ihr Mann und Schwiegervater mit Zitrusfrüchten aus Italien handeln und selber zwischen Sizilien und München pendeln. Während sich Pinas Mann in Deutschland eine zweite Existenz aufgebaut hat, blieb Pina in Sizilien und versuchte so gut es ihr möglich war, die Familie zusammenzuhalten, das Geschäft zu führen und sich selber nicht noch mehr zu verlieren. Dabei immer um sie herum, die Gespenster der Vergangenheit, die Ängste vor der Zukunft und die starke Verwurzelung mit ihren Vorfahren. Beim Lesen habe ich oft an eines meiner liebsten Bücher gedacht: „Das Geisterhaus“ von Isabel Allende. Für mich ist „Die Frauen der Familie Carbonaro“ das italienische Geisterhaus und schon alleine von daher, ist es für mich ein Herzensbuch geworden. Ich habe beim Lesen die Stärke jeder einzelnen der drei Frau bewundert. Ich bin von Sizilien nach München gereist und wieder zurück. Ich habe mich in Pinas Haus verlaufen, bin zwischen den mehr werdenden Zimmer herum gegangen und habe in jedes einzelne hinein geschaut und einen Einblick in ihr Familienleben bekommen. Ich war mit Anna und ihrer Familie in München während es zweiten Weltkrieges. Ich habe Maria ein Stück ihres Weges begleiten dürfen und mich für sie gefreut, dass sie etwas freier Leben kann, als ihre Mutter und Großmutter. Ich habe ein Familiengefüge erlebt, das trotz aller Stärke Risse hat, zerbröckelte, geflickt, ausgebessert und repariert werden musste und das ohne die Frauen der Familie Carbonaro, dieses Familiengefüge in sich zusammen gebrochen wäre. Was mich zu dem Gedanken verleitet hat, ob es nicht doch meistens die Frauen sind, die bestimmen ob Familien zusammen gehalten oder in ihre Einzelteile aufgelöst werden? Ich durfte aber auch tiefe Liebe erleben und die Tatsache, dass Söhne nicht seltener und auf andere Art nicht weniger unter der Herrschaft ihres Vaters und auch ihrer Mutter, ihre eigene Individualität gar nicht erst entdecken, geschweige denn leben können, was sich wiederum auf ihre Liebesbeziehungen auswirkt und die Entwicklung ihrer eigenen Kinder beeinflusst. Für mich ist es ein Buch, dass mir einmal mehr aufgezeigt hat, wie stark man mit seinen Vorfahren verwurzelt ist, ob einem das nun gefällt oder nicht, ob die Beziehung schwierig bis unmöglich ist, oder harmonisch und friedlich, dass es unwahrscheinlich ist, seine Wurzeln auf Dauer verleugnen zu können und sie jeden auf die ein oder andere Weise einholen werden. Für mich ist dieses Buch, eines der Bücher, die nicht „nur“ geschrieben wurden, sondern in welchem ich in jedem Wort glaube eine Verbindung zwischen Geschichte und Autor zu spüren, etwas sehr Tiefes auf Verwurzeltes. Als wenn diese Verbindung tiefer als bei anderen Autor*innen geht. Die Gefühle, die Abläufe, die Umstände in diesem Roman habe ich fast als plastisch empfunden, wie etwas das von Welle zu Welle übergeht und immer wieder auf mich überschwappte. Oder wie Musik, die ohne Schutz, ohne Zensor gleich ins Gehirn dringt und Gefühle anspricht, die verborgen geglaubt waren und mit denen man sich erst einmal völlig überfordert fühlt. Ähnliches erlebe ich in den Büchern von Isabel Allende. Für mich war die Lektüre von „Die Frauen der Familie Carbonaro“ eine sehr große literarische Reise, auf der ich tief empfunden habe und aus der ich nach und nach ganz langsam wieder zurück kehre.

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„Mein Leben war vorgezeichnet von Männern, die ihr ganzes Leben einer Idee vom Glück weihten und es dabei doch übersahen.“ (S. 358) Ein Mann, der über das Leben aus der Sicht von Frauen schreibt. Ob das gut geht, habe ich mich gefragt. Ja, das kann sehr gut werden. Ich habe das Buch, das von den Frauen an der Seite von Barnaba Carbonaro, dessen Geschichte in Terra di Sicilia erzählt wird, sehr gern gelesen und war direkt in Verbindung mit den Frauen. Erzählt wird von Pina, der Frau von Barnaba, Tochter eines Mafioso, von Anna, ihrer Schwiegertochter, und von Maria, der Enkelin. Auch die Sicht der Frauen unter- bzw. übereinander kommt nicht zu kurz. Beginnend 1896 mit der 12jährigen Pina bis 1972 erzählt das Buch von Menschen, Geistern und historischen Ereignissen. Leicht zugänglich zu lesen, eine tolle Lektüre für die kommende Urlaubssaison.

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Ein wunderschones Buch uber drei Generationen Frauen einer sizilianischen Familie. Pina ,die Großmutter der Familie, leidet ein Leben lang unter den schrecklichen Erlebnissen ihrer Kindheit und der Unterdrückung der Frauen ihrer Zeit. Aus diesen Gründen,schafft sie es nie, wirklich glücklich zu werden. Doch dann tritt Anna, ihre Schwiegertochter, in ihr Leben und kann ihr Herz erobern und Leichtigkeit in Pinas Leben bringen. Enkelin Maria profitiert von der Arbeit der vorhergegangenen Generationen Frau und kann ihr Leben schon Selbstbestimmt gestalten. Ein toller Roman über Frauen und deren Probleme in jeder Generation. Mario Giordano hat es geschafft einen wunderschönen und fesselnden Roman zu schreiben. Von der ersten Seite an wird der Leser in die Geschichte hineingezogen. Bemerkenswert fand ich den Wandel der Story vom düsteren sizialinschen Leben zu einem fröhlich und leichtem Dasein in München. Der Autor hat es geschafft Deutschland und die Deutschen so liebevoll darzustellen, wie ich es von einem ausländischen Autor noch nie gelesen habe. Das Buch ist wunderschön geschrieben und ich muss unbedingt den ersten Teil noch lesen.

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Ich weiß wirklich nicht, was ich von diesem Buch erwartet habe, aber nicht, dass ich es an einem Sonntag anfange und auch beende (512 Seiten!!!) Es ist grossartig. Brutal, ungeschönt und traurig in Zeiten die nichts anderes zuließen. Und dann aber auch romantisch, stark, mega mitreißend und voller Hoffnung für die nachkommenden Generationen. Der Erzähler beschreibt überwiegend die Schicksale von Pina, Anna und Maria (Großmutter, Schwiegertochter und Tochter) Pina versucht ihr ganzes Leben lang sich von ihrer grausamen Vergangenheit zu lösen und ihre Macht zu erhalten. Anna möchte eigentlich singen und landet dennoch in einer Ehe mit vier Kindern, für deren Freiheit sie sich unermüdlich einsetzt, Maria möchte einfach nur mit der Zeit gehen und das Frauenbild ihrer Familie hinter sich lassen. Abwechselnd wird in verschiedenen Zeiten erzählt und doch finden die Ereignisse immer wieder zusammen, ähneln sich oder sind die Konsequenzen die daraus entstehen. Mich hat der Roman sehr beeindruckt, herzlichen Dank für diesen schönen Sonntag :-)

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Pina will herrschen. Anna will singen. Maria will Hosen tragen. Drei Frauen der deutsch-italienischen Familie Carbonaro erzählen ihre Geschichte: Sie erzählen von einem archaischen Sizilien Ende des 19. Jahrhunderts, vom Fluch ihrer Vorfahrinnen, von Wundern, Illusionen und kleinen Triumphen. Von Liebe und Gewalt, von schönen Schneidern, Scharlatanen und traurigen Gespenstern. Sie erzählen von Flughunden und Krähen, von Sizilien und Deutschland, von Heimat und Fremdsein, Bombennächten und Bienenstich und davon, wie das Glück sie immer wieder fand. In einem gewaltigen Bilderbogen lässt Mario Giordano die bewegten Schicksale dreier Frauen erstehen, die unbeirrbar ihren Weg in ein selbstbestimmtes Leben verfolgen. Und er nimmt uns mit auf eine Reise von Sizilien nach Deutschland, die ein ganzes Jahrhundert umspannt. „Die Frauen der Familie Carbonaro“ ist nach „Terra di Sicilia - Die Rückkehr des Patriarchen“ der 2. Band der Carbonaro-Saga von Mario Giordano, Schon der erste Band hat mich begeistert und ich war auf dieses Buch sehr gespannt. Obwohl es fast 2 Jahre her ist das ich den 1. Band gelesen habe war nach wenigen Seiten wieder alles präsent. Im 1. Band stand der Patriarch Barnaba Carbonaro im Vordergrund. In dem neuen Roman lässt der Autor die Frauen der Familie zu Ort kommen und die haben viel zu erzählen. Die Geschichte wird aus der Sicht von 3 Frauen aus der -Familie Carbonaro erzählt. Es beginnt mit Pina, die Frau des Patriarchen. Schon als junges Mädchen war für sie klar, dass sie Barnaba Carbonaro heiraten wird. Auch wenn ihr Vater alles dafür tat das es nicht so kommt hat sie ihren Willen durchgesetzt. 23 Kinder hat Pina geboren und davon haben 6 überlebt. Sie ist eine starke Frau die weiß was sie will. Aber wie die Zeiten so waren musste sie sich auch oft dem Willen ihres Mannes beugen. Als Barnaba in München seinen Stand in der Großmarkthalle eröffnet hat und Zitrusfrüchte nach Deutschland exportierte war er mehr in München und Pina blieb in Sizilien. Als nächstes kommt Anna dazu. Sie ist die Frau von Nino dem 3. Kind der Familie. Am Anfang tut sich Anna schwer in der Familie. Das junge Paar wohnte ja bei den Eltern von Nino. So war es in der Familie üblich alle wohnten mit Partner*in und Kindern zusammen bei den Eltern. Ihr Mann Nino war Schneider musste aber oft mit seinem Vater nach München um in der Firma zu helfen. Anna hat ihren Mann immer wieder gebeten mit nach München zu dürfen. Als sie dann mit ihren Kindern nach München übergesiedelt ist war sie fremd und konnte die Sprache nicht. Ich glaube sie wäre am liebsten sofort wieder nach Sizilien zurück gereist. Doch Helene die Geliebte von Barnabas hat sich ihrer angenommen und im Bienenstich hat sie Trost gefunden. Maria, die Tochter von Nino und Anna kam als kleines Kind schon nach München und das war ihre Heimat. Sie konnte schnell auf Bayrisch fluchen. Für sie war Deutschland die Heimat. Hier besuchte sie die Schule und fand ihre Freunde. So unterschiedlich die Frauen der Familie Carbonaro waren, eins hatten alle gemeinsam. Sie warfen 2 Schatten. Mario Giordano beschreibt seine Charaktere einfach wunderbar. Die meisten kannte ich ja schon aus dem ersten Band, jetzt aber die Frauen näher kennenzulernen war schon eine tolle Sache. Natürlich betraten auch die Patruneddi, die Hausgeister der Familie Carbonaro wieder die Bildfläche. Der Autor lässt auch einiges an Zeitkolorit in die Geschichte einfließen indem die Frauen nachdenken welche Neuerungen und Erfindungen sie erlebt haben. Auch Filme und berühmte Personen finden Erwähnung. Das macht die Geschichte sehr authentisch. Die italienischen Worte die immer wieder in den Text einfließen machen die Geschichte um so realistischer. Als Grundlage für diesen Roman dient die Familie des Autor. In vielen Gesprächen mit seinen Eltern, Onkeln und Tanten hat er Anekdoten zusammengetragen. Trotzdem handelt es sich um einen Roman, der viele fiktionale Elemente beinhaltet. Doch Mario Giordano hat Realität und Fiktion so fein verwebt, dass man sie nicht zu trenne vermag. Jetzt kann ich mich nur noch bei Mario Giordano bedanken für die schönen und intensiven Lesestunden die er mir geschenkt hat. Für mich gehört „Die Frauen der Familie Carbonaro jetzt schon zu meinen Highlights des Jahres.

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Für mich einfach genial und ergreifend

Von: siralexfelixson

05.04.2024

"Was führt zu was? Das Leben ist ein Ozean aus Möglichkeiten, aber wir kämpfen an der Oberfläche gegen das Ertrinken an. Alle erwarten wir, dass das Glück uns findet, aber keiner will den Preis bezahlen. Es gibt Armut und Gewalt, Liebe und Trost, und alles vergeht. Zwischendurch müssen wir an Abgründe treten. Der eine will nur kurz erschaudern, um sich danach besser zu fühlen, ein anderer muss springen und sich im Fallen Flügel bauen." Mario Giordano liefert uns mit "Die Frauen der Familie Carbonaro" eine Geschichte, die sich nach "Terra di Sicilia" mit der anderen Hälfte der Cabonaro-Familie beschäftigt. Denen, die zwar nicht die Hosen anhaben, die aber alles zusammenhalten. "Männer verbringen ihr ganzes Leben damit, zu hadern, wer sie sind. Sie bekämpfen Windmühlen und halten sich für Ritter. Wir Frauen sind die Sancho Panzas dieser Welt. Die den Laden am Laufen halten und das Gleichgewicht herstellen, immer und immer wieder." Drei Frauen erwarten den Erzähler im salotto des alten Hauses irgendwo zwischen Vergangenheit und Zukunft. Es ist staubig überall, träges sizilianisches Nachmittagslicht fällt durch die Vorhänge und lässt die Staubflocken ihren Tanz aufführen. Dämpft alles ab, füllt den Raum mit Stille und Erinnerungen, lässt alte Geister aufleben. Da sitzen sie: Pina, Anna und Maria. Drei Generationen der Carbonaro-Frauen. Pina, Matriarchin der Familie, Tochter des Mafiosi Dottore Pasalacqua, allein dadurch teils gefürchtet und geachtet. Doch Pina hat viel Leid zu ertragen und gerade sie, entstammt noch einer Generation, in der Frauen einfach nichts waren. Sie durften benutzt werden, wurden oft wie Dreck behandelt, geschlagen und vergewaltigt. Hatten ihren Vätern und Männern zu gehorchen, auf ihre Ehre zu achten, den Mund zu halten und gefälligst unsichtbar zu bleiben. Pinas Geschichte hat mich von allen am meisten berührt - vielleicht, weil sie es zeit ihres Lebens am schwersten hatte. Die zweite der Carbonaro-Frauen ist Anna, die Pinas Sohn Nino heiratete. Anna, die wunderschön singen konnte und die die patruneddi etwas ferner hielt. Anna, die ihre Träume begraben musste, ihren Mann jedoch das Versprechen abrang, dass ihre Töchter eines Tages alles werden dürften. Anna, die ihre Heimat verließ, um ihren Mann nach Deutschland zu begleiten. Und zu guter Letzt haben wir noch Maria Carbonaro, das älteste Kind von Nino und Anna. Ihre Wünsche sind ganz andere: Sie will Hosen tragen wie die Männer und ins Geschäft ihres nonno einsteigen. Doch alles was zu hören bekommt ist: "Das ist nichts für Frauen! Eh basta!" Und so erzählen diese drei Frauen von ihrem Leben, ihren Ängsten, Sorgen und ihren Kämpfen. Kämpfe mit ihrem Land, der Gesellschaft, den Kindern und vor allem mit ihren Männern. Die Geschichte des Buches zeigt uns, dass das Leben als Sizilianerin niemals einfach ist. Es zeigt uns aber auch, dass das auch für die Männer gilt - nur in einem anderen Rahmen. "Mein Leben war vorgezeichnet von Männern, die ihr ganzes Leben einer Idee vom Glück weihten und es dabei doch übersahen. Was ist los mit den Männern, dass sie das Glück beharrlich zu Tode hetzen müssen, ohne einen einzigen Blick zur Seite?" Oh, bella Sicilia! Oh dolce dolore del desiderio! Oh, mia Sicilia, ho perso il mio cuore per te. Dieses Buch hat, wie zuvor schon "Terra di Sicilia", viel mit mir gemacht. Es hat mich tief berührt, ob der Schicksale der Menschen, aber auch wegen all der Erinnerungen, die mich beim Lesen durchfluteten. Sizilien ist mein Sehnsuchtsort, der Fleck auf dieser Welt, wo mich beim allerersten Betreten ein berauschendes und tief ins Herz schneidendes "Ich bin zu Hause"-Gefühl durchfloss. Die Geschichte spielt in der Gegend, die ich auch gut kenne, sogar der Bellini-Park und die Pasticceria Savia in der Via Etnea in Catania finden hier Erwähnung. Aber der Roman hat mich nicht nur deswegen so begeistert. Es werden viele Zeilen aus alten sizilianischen Volksliedern erwähnt, die vom tiefgehenden Schmerz des Landes und des Volkes erzählen, oft auch von der Sinnlosigkeit des Lebens und der elenden Plackerei der kleinen carusi, aber auch von der tiefen all umfassenden Liebe zum diesem wunderschönen Land. Auch mag ich es sehr, wenn Autoren die Sprache bei einigen Wörtern mit einfließen lassen. Überhaupt hat Mario Giordano einen sehr schönen, sehr bildlichen Schreibstil und wie er die Frauen ihre Geschichten erzählen lässt, klingt das absolut authentisch. Beim Lesen hatte ich wirklich das Gefühl, dass mir die Frauen ihre Geschichten erzählen und nicht der Autor. "Meine Erinnerung war ein Firmament, von dem nach und nach die Sterne erloschen. Sternbilder lösten sich auf und machten es mir zunehmend schwerer, über mein tägliches Meer zu navigieren."

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Im Goldmann Verlag erscheint der zweite Band Die Frauen der Familie Carbonaro von Mario Giordano. Drei Frauen der deutsch-italienischen Familie Carbonaro erzählen ihre Geschichte. Matriarchin Pina will herrschen, ihre Schwiegertochter Anna will singen und Enkelin Maria will Hosen tragen. Doch in einer archaisch geprägten Familie im Sizilien Ende des 19. Jahrhunderts hat der Patriarch das Sagen und Blutsverwandtschaft ist entscheidend in der Familie. Die Geschichte erzählt die Entwicklung der Familie, die sich von Sizilien nach Deutschland ausgeweitet hat. Sie erzählt von Heimat und Fremdsein und wie man Glück verliert und wieder findet. "Die wahre Liebe war etwas Reines, Zartes, das sich öffnete wie eine Knopse. Falsche Liebe dagegen war, wenn beide in Raserei auf den Divan sanken...Falsche Liebe war zum Scheitern verurteilt." Zitat Seite 46 Mario Giordanos Roman beschreibt die Entwicklung einer Familien im sizilianischen Süden. Dabei fangen der beschriebene Lebensalltag, die Sitten und Gewohnheiten und unterschiedlichen Stimmungen und persönlichen Erlebnisse die besondere Atmosphäre einer italienischen Familie gut ein und man erlebt die Schattenseiten und untergeordnete Rolle der Frauen in einer italienischen, mafiösen Familienstruktur hautnah mit. Dieser Roman erzählt von Liebe, Hass, Träumen, Ängsten und Sehnsüchten und zeigt viele Aspekte der sizilianischen Lebensweise in einer patriarchischen Familie auf. Die Entwicklung der Familie verläuft in einer Zeitspanne von 1896 bis 1972 und aus der sizilianischen Heimat wandern einige Familienmitglieder nach München aus. Seine vielfältigen Charaktere zeichnet Giordano mit einzigartigen Eigenschaften, die sie lebendig und unverwechselbar machen. Großmutter Pina ist die Matriarchin der Familie, sie hat über 22 Kinder geboren, von denen nur wenige überlebt haben. Ihre Schwiegertochter Anna muss sich in der Familie ihren Platz behaupten und die Enkelin rebelliert, bis sie ihren Weg gehen darf. Diese Figuren erlebt man mit alle Facetten ihrer Charaktere und es ist interessant, die Entwicklung dieser Personen im Laufe des Buches zu beobachten. Aber ich muss auch sagen, dass mir die ausführlich beschriebenen Frauen trotz ihrer verständlichen Sehnsüchte und Wünsche nicht wirklich nahe kamen. Es blieb eine gewisse Distanz, mit der sie zum Teil in ihrer Schattenwelt verblieben. Dennoch hat mir die Auswahl an weiblichen Figuren gut gefallen und ich habe mit den Gefühlen, Ängsten und Hoffnungen mit ihnen gebangt war auf die persönliche Weiterentwicklung gespannt. Mario Giordano beherrscht es mit einer unglaublichen Feinheit, das Zwischenmenschliche einzufangen und vor allem die Veränderung der Lebensweise zwischen früher und heute darzustellen. Besonders beeindruckt hat mich der grandiose Schreibstil, der zwischen poetisch, ausschweifend und treffend beschreibend wechselt, darin liegt die Stärke des Autors. Es ist beeindruckend, wie Pina ihre Lebensvorstellungen durchsetzt, wie sie sich behauptet und auf ihre Weise einen Weg des Lebens gefunden hat. Die Auseinandersetzung mit der Familienstruktur zeigt eindringlich wie der Padron über seine und andere Familien herrschte. Im Laufe der Geschichte kommen auch die Hausgeister zur Sprache, die mir zeigen, wie Aberglauben in früherer Zeit die Menschen ängstigte. Interessant beschrieben ist der harte Arbeitsalltag in den Zitronenplantangen. Mario Giordano baut in seinem Roman auch reale Ereignisse der Weltgeschichte ein, wie Kriege und erlebte Bombennächte, die gesunkene Titanic, sowie Veränderungen in der Mode und die Beschreibung technischer Errungenschaften, die zeitliche Veränderungen aufzeigen und die Geschichte mit Leben füllen. Dieses umfangreiche Familienepos lässt uns den Blick in eine sizilianische, von der Mafia geprägte Familie werfen und zeigt das Schicksal der Frauen und ihre Entwicklung sichtbar und nachfühlbar auf.

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Ein literarischer Schatz

Von: Martina

01.04.2024

Auf dieses Buch habe ich mich bereits gefreut, als ich die letzten Seiten des Vorgängers "Terra die Sicilia" gelesen hatte. Schon der erste Band, der die Familiengeschichte der Carbonaros aus der Sicht der Männer erzählt, war für mich ein absolutes Highlight - sprachlich genauso wie inhaltlich. Nun kommen die Frauen aus drei Generationen der Familie zu Wort. Und hier wird nicht etwa einfach die gleiche Geschichte nochmal erzählt, sondern gewisse Begebenheiten werden in ein anderes Licht gerückt und Lücken gefüllt. Wer den ersten Band nicht gelesen hat, kann diesen trotzdem geniessen (allerdings verpasst man ein gutes Buch). Sprachlich war es wieder ein Hochgenuss: Giordano erzählt plastisch und eindrucksvoll, man meint zu riechen, zu schmecken und zu sehen was man da liest. Wieder nehmen Aberglaube und Familiengeister ihren Platz in der Geschichte ein, was unglaublich gut passt und nicht befremdlich wirkt. Fasziniert hat mich die Tatsache, dass ich irgendwann aufgehört habe zu denken, dass das ein Mann geschrieben hat - es waren wirklich Frauen, denen ich zugehört habe. Ich werde La Familia, die Carbonaros, stark vermissen. Danke Mario Giordano für diese ganz wunderbare Familiengeschichte, die sich fest in mein Herz gebrannt hat.

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