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G. E. Trevelyan

Appius und Virginia

Roman. Übersetzt von Renate Haen, mit einem Nachwort von Ann Cotten

(2)
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Ein Menschenaffe, der sich als Mensch wiederfindet – der Roman einer faszinierenden Metamorphose in deutscher Erstübersetzung

Exklusive Manesse-Entdeckung einer britischen Klassikerin der Moderne

Virginia Hutton, eine studierte Soziologin, lässt sich auf ein spektakuläres Experiment ein: Sie zieht einen Orang-Utan-Säugling als Menschenkind auf. Sie wickelt ihn, füttert ihn mit der Flasche, singt ihn in den Schlaf. Virginia ist für ihren Schützling abwechselnd fürsorgliche Mutter, fordernde Lehrerin, kühl berechnende Wissenschaftlerin. Und Appius erweist sich zu ihrem und unserem Erstaunen als beeindruckend gelehriger Schüler, lernt sprechen, lesen, aufrecht stehen und gehen, schließlich seine Mahlzeiten mit Messer und Gabel einzunehmen.

Virginia bringt Appius bei, menschlich zu sein. Doch je klüger er wird, desto mehr nähert er sich jener Entdeckung, die Virginia ihm am liebsten ersparen möchte: wer er wirklich ist.

Alle Welt kennt die Geschichte, in der ein Mensch als Käfer aufwacht und versucht, mit seiner tierischen Gestalt zurechtzukommen. Wenige Jahre nach Kafka schuf G.E. Trevelyan eine umgekehrte, nicht minder beklemmende Versuchsanordnung: Ein Affe findet sich als Mensch wieder. Der Roman stellt tiefgründige Fragen nach der Conditio humana: Wer oder was ist der Mensch? Was unterscheidet ihn von seinen Artverwandten aus dem Tierreich? Und – wie weit darf die Wissenschaft bei der Vermenschlichung nicht-menschlicher Kreaturen gehen?

»In der Komik der durchgehend realistisch erzählten Erziehungsgeschichte versteckt sich der Tiefsinn subtil und unästhetisiert.«

Frankfurter Allgemeine Zeitung, Hendrik Buchholz (14. May 2024)

Aus dem Englischen von Renate Haen
Originaltitel: Appius and Virginia
Mit Nachwort von Ann Cotten
eBook epub (epub), ca. 400 Seiten (Printausgabe)
ISBN: 978-3-641-29063-4
Erschienen am  27. March 2024
Lieferstatus: Dieser Titel ist lieferbar.

Rezensionen

Wie wird der Affe zum Menschen?

Von: @lust_auf_literatur

02.05.2024

Oh ja, das war super gut! Ich lese eigentlich fast nur zeitgenößische Literatur, aber ich hatte große Lust auf „Appius und Virginia“, das 1932 erschienen ist. Den darin geschilderte Versuch, einen Affen wie ein Menschenkind aufzuziehen und ihm sprechen und menschliches Denken beizubringen, finde ich in vielerlei Hinsicht absolut faszinierend und absolut verstörend! Trevelyan erzählt die Geschichte von der Soziologin Virginia Hutton, die beschließt, als Forschungstudie einen Affen wie ein Baby zu behandeln, um zu erforschen, ob und wie weit er zu einem Menschen geformt werden kann. In der absoluten Abgeschiedenheit eines kleinen Cottages richtet sich die Forscherin mit dem Affen ein und unterrichtet ihn erst im laufen und sprechen, später im Lesen und Schreiben. Appius nennt seine einzige Bezugsperson Virginia „Mama“, und auch Virginia entwickelt gegenüber Appius merkwürdig ambivalente Muttergefühle. Die Studienarbeit gerät schnell in Vergessenheit und Appius und Virginia bilden ein makaberes Mutter-Sohn Gespann. Ich empfinde die Beziehung mit dem immensen Machtgefälle als äußerst ungesunde gegenseitige Abhängigkeit, die auf Seiten Virginias von moralisch sehr fragwürdigen und egoistischen Motiven gelenkt wird. Äußest verstörend auch die Einblicke in die Erziehungsmethoden der Zeit und das Kinder- bzw. Menschenbild. Bei der Einordnung von fragwürdigen (und heute zurecht als rassistisch gewerteten) Aussagen und möglicherweise unbekannten Begriffen und Zusammenhängen bietet die Manesse Ausgabe detaillierte Anmerkungen, die ich aber selten zu Rate ziehe und lieber am Schluss en bloc lese. Für mich war der Roman durchaus ein absoluter Pageturner mit sehr gesellschaftskritischem Ansatz und feministischer Subtitel, wie mir beim Lesen des wertvollen Nachworts der Schriftstellerin Ann Cotten erst so richtig bewusst wird. Die Horrorelemente à la Hitchcock finde ich extrem gut umgesetzt und gefallen mir besser als in manchem aktuellen Roman. Trevelyans Stil wird (im Gegensatz zu ihrer Zeitgenössin Virginia Woolf) als hart realistisch bezeichnet. Ich komme mit der etwas älteren Sprache und Ausdrucksweise sehr gut zurecht, da sie die Zeit und das Setting des Romans authentisch widerspiegelt und außerdem nostalgische Erinnerungen an lange zurückliegende Lektüren aus dem Schrank meiner Eltern weckt. „Appius und Virginia“ ist offen für viele Interpretationsansätze. Ich las als Elternteil vor allem die Kritik an dem wahnwitzigen Glauben von der Formbarkeit einer jeden Kreatur und an der Allmachts- und Kontrollfantasie von Menschen mit Macht heraus. Aber auch andere, weit philosophischere Gedankengänge und Fragen in Richtung Descartes bieten sich an. Der Roman, einschließlich des Nachwortes und der editorischen Notiz der Übersetzerin Renate Haen, war für mich ein ganz besonders Leseerlebnis, das mich auf mehreren Ebenen großartig unterhalten hat. Gertrude Eileen Trevelyan starb 1941 mit nur 37 Jahre bei der Bombadierung Londons.

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Unerwartet und so gut

Von: Aygen

30.04.2024

1932 das erste Mal erschienen. Die Sprache ist zeitgetreu und dennoch gut verständlich. Die Soziologin Virgina Hutton kauft sich ein abgelegenes kleines Cottage in England und versteckt sich dort vor der Gesellschaft und Ihrem alten Leben. Sie hat sich einen Orang-Utan Säugling angeschafft und versucht hier das Unmögliche möglich zu machen. Sie möchte diesen Affen zum Menschen erziehen. Ein Experiment, das schnell aus dem Ruder gerät und bald Virginia seltsame Mutter-Kind Gefühle entwickelt, die Sie selber immer mehr ins soziale Aus verfrachtet. Der Zeit der Geschichte sei geschuldet, dass die Erziehungsmaßnahmen heute kaum vorstellbar wären. Virginia ist grob, streng, herrisch und brutal. Beim Lesen steigt die innere Spannung und gleichzeitig diese Neugier, was aus dem Affen wird. Appius kennt nur Virginia und Sie sagt ihm, dass er kein Affe ist, sondern ein Mensch. Wir erleben, wie er angezogen wird wie ein Kind und essen, trinken, schlafen, lesen und sprechen soll. Dieses Buch ist intensiv. Ich habe lange nichts gelesen, dass mich so in den Bann gezogen hat und gleichzeitig mich mit Scham über uns Menschen erfüllt hat. Wir sind so arrogant, dass wir uns über alle Lebewesen stellen und vergessen oft, dass wir nicht perfekt sind. Eine Geschichte mit tragischem Ende. Das Nachwort von Ann Cotton stellt nochmal den gesellschaftskritischen Aspekt in den Vordergrund. Dieses Jahr mein erst zweites Highlight.

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Vita

G. E. Trevelyan

G. E. [Gertrude Eileen] Trevelyan (1903–1941), geboren in Bath, Somerset, besuchte das Princess Helena College und die Lady Margaret Hall in Oxford. Als Freigeist lebte sie in einer Frauenresidenz in Bermondsey, später in Kensington, und konnte sich dank eines kleinen Erbes aufs Schreiben konzentrieren. Als erste Frau wurde sie mit dem Newdigate-Preis ausgezeichnet. 1932 erschien mit «Appius and Virginia» ihr Debüt, sieben weitere Prosawerke folgten. Im Oktober 1940 erlitt sie während der deutschen Bombardements in ihrem Appartement in Notting Hill lebensgefährliche Verletzungen, denen sie wenige Monate später in einem Pflegeheim in Bath erlag.

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