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Eduard von Keyserling

Fräulein Rosa Herz

Roman

(1)
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In seinem ersten Roman widmet sich Eduard von Keyserling dem prekären Glück der Besitzlosen. Voller Mitgefühl und Sympathie zeichnet er die Figur der Rosa Herz, die um ihrer ersten Liebe willen zum radikalen Bruch der Konventionen bereit ist.

Rosa Herz ist siebzehn Jahre alt und hat einen einzigen Wunsch: der Enge und Biederkeit der Kleinstadt zu entfliehen. Beim Gedanken an eine Zukunft als Lehrerin an der Töchterschule und Ehefrau des schmierigen Ladendieners Lurch packt sie das Grauen. Als der charmante Ambrosius Tellerat in der Stadt auftaucht, verströmt er den abenteuerlichen Duft der weiten Welt und verzaubert Rosa auf der Stelle. Doch ihrer Liebe stehen allerlei Hindernisse im Weg – und es bräuchte einen willensstärkeren Mann als Ambrosius, um sie zu überwinden.

Mit Rosa Herz, dem Mädchen aus kleinen Verhältnissen, aber mit großen Träumen von Freiheit und Selbstbestimmung, schuf Eduard von Keyserling (1855−1918) eine seiner liebenswertesten Frauenfiguren. Ihren Ausbruchsversuch aus den gesellschaftlichen Zwängen − und dessen bittere Konsequenzen – schildert Keyserling mitreißend und mit scharfem Witz. Die bigotten Spießbürger werden der Lächerlichkeit preisgegeben. Was zunächst wie das subtil-ironische Porträt einer provinziellen Idylle daherkommt, entpuppt sich als beißende Kritik an einer Gesellschaft, die jede Abweichung gnadenlos ächtet.

«Keyserlings Romane gehören zum Aufregendsten, was seit 1900 in deutscher Sprache geschrieben wurde.»

Hubert Winkels, Deutschlandfunk

Mit Nachwort von Wiebke Porombka
eBook epub (epub)
ISBN: 978-3-641-17222-0
Erschienen am  28. September 2015
Lieferstatus: Dieser Titel ist lieferbar.

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Rezensionen

Überraschend moderne Gesellschaftskritik

Von: Lesemanie

09.07.2017

Eine Protagonistin mit dem Namen Rosa Herz? "Fräulein Rosa Herz" als Romantitel? Das kann ja eigentlich nichts werden, denkt man sich. Man erwartet einen romantisch-verklärten Impressionisten-Roman mit schwachen Frauen und charmanten Männern aus gutem Hause. Eduard von Keyserlings Roman bedarf es nicht lang, um diese Vorurteile zu beseitigen, und das obwohl Rosa Herz ein leicht zu beeindruckendes, romantisierendes Mädchen ist und der junge Mann Ambrosius Tellerat tatsächlich äußerst charmant daherkommt. Die von Keyserling für diesen Roman geschaffenen Figuren sind aus gutem Grund deutlich überzeichnet - nutzt der Autor doch ganz gezielt Übertreibungen, um der "guten" Gesellschaft mit einer gehörigen Portion Sarkasmus gnadenlos die eigene Scheinheiligkeit vor Augen zu führen. Worum geht es eigentlich? Die siebzehnjährige Rosa Herz wächst bei ihrem Vater in einem kleinen Städtchen auf. Die Mutter - eine Ballett-Tänzerin - ist bei der Geburt des Kindes verstorben und der Vater hat daraufhin sein Vagabunden-Tänzer-Leben an den Nagel gehängt und ist zu seiner frommen Schwester gezogen. Mit großer Anstrengung hat sich Herr Herz unter den Herren des Städtchens seine Position erarbeitet und trotz seiner Umtriebe in jungen Jahren, wird er als Teil der biederen Mittelschicht akzeptiert. Das gilt - in reduziertem Ausmaß - auch für Rosa. Wie oberflächlich diese Akzeptanz ist, wird klar, als Rosa sich in Ambrosius Tellerat verliebt. Der besucht das Städtchen und lebt bei seiner Cousine Sally und ihrer Familie, nachdem er zuvor mit einer Kunstreiterin durchgebrannt ist. Als besonders skandalös an der Verbindung wird die Tatsache empfunden, dass die Beziehung nicht standesgemäß ist. Ambrosius - auch für diese Figur gilt: Nomen est Omen - steht in der gesellschaftlichen Hierarchie zu weit über Rosa als dass die Beziehung akzeptiert werden könnte. Zu allem Überfluss handelt es sich bei dem gutaussehenden Jüngling auch noch um einen höchst schwachen Charakter, der sich in Rosa verliebt wähnen mag, dem allerdings die Stärke fehlt, für diese Liebe Hindernisse zu bezwingen. Dank der Tatsache, dass Keyserling die Geschichte großzügig mit Seitenhieben auf die Gesellschaft spickt, ist Fräulein Rosa Herz ein unterhaltsamer Roman mit einer durchaus kindlichen, aber nicht nervigen, Protagonistin. Rosa Herz ist keine Anna Karenina und sie ist keine Edna Pontellier, aber man wünscht ihr dennoch Erfolg bei ihrem Versuch, mit den Konventionen ihrer Zeit zu brechen.

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Vita

Eduard von Keyserling

Eduard von Keyserling (1855–1918) stammt aus altem baltischem Geschlecht, studierte Kunst und Jura und begann schon früh mit dem Schreiben. Als freier Schriftsteller lebte er zunächst in Wien, später in Italien und München, wo er der Schwabinger Boheme angehörte. Durch eine Krankheit erblindet, vereinsamte Keyserling in den letzten Lebensjahren zunehmend.

Zum Autor

Pressestimmen

«Keyserling kann alles. In der Kunst der Aussparung bei gleichzeitiger Überfülle an sinnlichem Detail ist Keyserling so groß wie in seinem Sinn fürs Tragikomische.»

Michael Maar, DIE ZEIT

»Fräulein Rosa Herz darf im Bücherregal ohne Weiteres einen Platz unmittelbar neben Effi Briest einnehmen.«

literaturkritik.de, 05.11.2015

»Ein literarischer Schatz aus der Bibliothek der Weltliteratur – in einem sorgfältig und schön gestalteten Buch.«

Freie Presse, 24.12.2015

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